STILL-LEBEN-RUHRSCHNELLWEG
A40
Gelesen haben in dieser Reihenfolge:
Stephan Voß (Ascheberg), Tomas Hartmann (Schweiz), Johannes Lindhorst (Dortmund), Katja Seitz (Essen), Theo Schmich (Essen), Jutta Kieber (Bottrop), Claudia Wädlich (Oberhausen).
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Und das schreibt Jutta Kieber über ihre Eindrücke auf der A40:
A40-Still-Leben Da soll Literatur, sollen Gedichte Gehör finden? „Heer mir uff mit Lierik, hört ja keener nischt bei dem Radau rundum!“ Der gebeugte Strohbehütete entfernt sich mit dem dargebotenen Kuchenstück und kaut bei den Bauchfreien weiter. „Wat gibbet denn hier?“ „Literatur, Lyrik, wird gleich vorgelesen!“ „Nee danke, nix für mich, Lyrik kann ich nich ab!“ Mit ansteckendem Lachen winkt der junge Sonnengebräunte ab und taucht ein ins bunte Laufpublikum. „Achtung, ein Gedicht“, rufe ich mutig durchs Megafon und betrete die fußläufige Fahrbahn. Einige Straßenwanderer bleiben stehen, Kameras richten ihre Linsen auf mich, meine Stimme erscheint mir fremd. Applaus, Gelächter, Köpfe nicken, Augen staunen mich an. Kinder ziehen Eltern weiter, Rollschuhe sausen vorbei, Regenschirme lustwandeln unter der Sonne, grellbunte Sommerkleider flanieren sich in die Blicke, selbst gebastelte Papierhüte konkurrieren mit gekauftem Sonnenschutz, Schmuse-Wörter lassen sich einfangen und zu einem netten Kompliment kneten, zaubern Schmunzeln auf Autoren-Gesichter, musikalische Fragmente durchmengen die Geräuschkulisse, mutig greifen die Literaten zu ihren Büchern, zum Megafon, beschallen die Hörweite mit ihren Texten. „Das Buch bekommen sie geschenkt, können sie mitnehmen!“ Der Veranstalter ermuntert die Interessierte zum Zugreifen. Dank auf den Lippen der Angesprochenen mit einem breiten Lächeln und kurzem Innehalten am Bücher- und Esstisch des Forums der Schreibwelten. Gratis-Bücher als geistige Nahrung, Appetithappen und Selbstgebackenes fürs leibliche Wohl, Texte live vorgetragen zum schnellen Vergessen, auf den Lippen der Akteure lustige Kommentare und auf den Gesichtern freudiges Erleben, literarischen Austausch, Ermunterung zum Schreiben und neue Kontakte. Das alles gab es rund um den Tisch der LYRIKwelt, in einer kleinen Literaturnische, zwischen fremdem Wortspiel und nachbarlichem Gesang, zwischen Augen- und Gaumenschmaus - für mich ein unvergleichlich wertvolles Honorar der positiven Erinnerung. Gern war ich dabei – bei einem einmaligen Sonntagserlebnis auf der gesperrten Autobahn 40 im Ruhrgebiet - und es war fröhlich ansteckend und friedlich, frei von Autolärm und Kommerz, beeindruckend tolerant – und es bleibt unvergesslich. (Jutta Kieber, im August 2010) |
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