Zwischen den Sonnengängen.
Gedichte von Annette Gonserowski (
1984, Sentenz-Verlag).
Besprechung von Maria Stiefl-Cèrmak für Amazon.de, 11.08.2003:

Ein lesenswertes, liebenswertes Buch
Dieser zweite Gedichtband Annette Gonserowskis entspricht in besonderem Maß der Feststellung, die ein Kritiker einmal über ihren ersten Lyrik-Band „Aufatmen" schrieb, daß man nach dem lesen ihrer Gedichte dankbar bekennen muß, dass sich auch in unserer jungen Lyrik die dichterische Größe wieder Bahn bricht."
Durch die Tiefe der Empfindungen und der Eindringlichkeit in der Betonung „der verlorenen, vernachlässigten und viel mißdeuteten Erschütterungen im Alltag", die aus dem menschlichen Leben nicht ausgeklammert werden können - die es vielmehr ausmachen -, „leben" die Texte der Autorin, geprägt durch ihre Persönlichkeit und Sensibilität.
Charakterisch für die Grundhaltung dieses Buches sind wohl auch die Worte der lettischen Dichterin Zenta Maurina: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung"."
Diese Begegnungen, die sich „zwischen den Sonnengängen" in bildhaft-schöner, ansprechender Weise artikulieren, geschehen nach gemeinsamen Gesetzen, die in der Natur, in der Musik und in der menschlichen Seele existieren.
Im Gedicht „Sommer"

Laß nicht verklingen diese sanfte Weise, halt fest den Rosenduft und diese Zärtlichkeit in deiner Hand...",

hat die Autorin die Spiegelung der menschlichen Seele, die nur gemeinsam - durch Eros und Psyche - ein Bild werden lassen, einfühlsam und überzeugend deutlich gemacht.
Daß „Dichten" vor allem eine Fähigkeit des Zueinanderfindens" ist, beweist die Autorin mit den Worten „

Wenn der Blick erwidert wird,
Worte nicht ins Nichts verhallen,
wenn Verstehen auf Verstehen trifft,
Vertrauen Fesseln von der Seele nimmt,
dann beginnst Du, „Du" zu sein.

Aber gleichzeitig weiß sieauch um die Gefährdung, um dieses unspürbare Entgleiten dieses nur scheinbar ewigen Zueinanderfindens, wenn sie schreibt:

Nähe verspüren, wo die Ferne bereits begonnen hat,
Worte suchen, wo alles schon gesagt wurde,
Flüstern, wo nur der Schrei noch hörbar ist,
fröhlich sein, wo die Traurigkeit den Fuß auf unsere Schwelle setzte.

Dies auszusprechen bedeutet für den Dichter, das Wagnis der Freiheit, und das sich Einsetzen und Aussetzen und die Erfahrung der immer wiederkehrenden Einsamkeit auf sich zu nehmen, denn: „Nicht die Gestillten, sondern die Wartenden schufen und schaffen die schönste Liebes-Lyrik".
Annette Gonserowski hat mit diesem Buch den „Sinn ihres Lebens verewigt", denn sie ist dadurch zu ihrem innersten Kern, zu ihrem äußersten Selbst vorgedrungen, in einer Weise, die Aufhorchen und Zuhören läßt, und au der das Ergriffensein resultiert, daß alle anderen, kleineren, zensierten und dosierten Geständnisse nicht ausreichen, das menschliche Dasein zu erklären, zu begründen und zu lieben als nur in der Besinnung, in der Einswerdung der Bereitschaft und dem Offensein der „Verzauberung Leben" gegenüber und dem Menschen, der diese Verzauberung „zwischen den Sonnengängen" verursacht hat.

Nun ordne ich
die weitverteilten Bruchstücke
nach dem Maß deiner Augen.

Ein Bekenntnis, eine Erkenntnis, die das Maß der menschlichen Liebe, die der Urgrund unseres Seins ist, deutlich macht.
Ein lesenswertes, ein liebenswertes Buch, das - wie beim Anblick eines schönen Gemäldes, einer verzauberten Natur, eines geliebten Menschen - die Grenze zwischen Transzendenz und Wirklichkeit vergessen läßt.

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