Zungenblätter.
Gedichte von
Kito Lorenc (2002, Verlag Unartig/Zeitzeichen).)
Besprechung von Dr. phil. W. Berger, Wien für die REZENSIONENwelt,
06/2006:
„Kepsy-barby/ Fehlfarben“ von Kito Lorenc in Berlin vorgestellt
Am 30.06. fand ein Leseabend der besonderen Art statt.In der kleinen aber feinen Galerie Kube im alten Berliner Westen war eine der ausgesprochen raren Lesungen des Altmeisters der Sorbischen Poesie, Kito Lorenc, zu hören, der sein im vergangenen Jahr im bibliophilen Verlag der Nessing’schen Buchdruckerei Berlin in der Reihe der Nessing’sche(n) Hefte erschienenes bilinguales Heft „Kepsy-barby/Fehlfarben“ dort vorstellte
Das in Gutenbergmanier gedruckte Heft in selten schöner Aufmachung, stellt jüngere Texte des Autors vor, die im Vergleich mit den älteren Lorenc’ nichts an Frische, Lebendigkeit und Humor eingebüßt haben. Der Dichter las in der ihm eigentümlichen Diktion seine Texte in sorbischer wie auch deutscher Sprache, betonend, daß jedes der Gedichte, wiewohl Übertragungen von einer in die andere Sprache (wobei oft Jahre zwischen jenen liegen), ein eigenständiges Gedicht darstelle, keine bloße Übertragung sei.
Zusätzlich zu Texten aus „Fehlfarben“ las Lorenc aus dem im entlegenen Aschersleben in der Heft- und Lesereihe „Zeitzeichen“ erschienenen „Zungenblättern“ und neueste Texte.
Die Reihe „Zeitzeichen“ (Veranstaltungsträger ist der Aschersleber Kunstverein) verdiente (als Folgereihe der in der ehemaligen DDR beliebten Lyrikreihe „Poesiealbum“) eine eigene Würdigung, welches hier aus Platzgründen unterbleiben muß - eine Darstellung der Konzeption und des Programms der Reihe kann im Internationalen Netz unter www.lyrikwelt.de/sonderseiten.htm aufgerufen werden).
Der Herausgeber beider Reihen, der in Berlin lebende Lyriker Paul Alfred Kleinert, führte in freier und informativer Rede mit einem Überblick zur Sorbischen Poesie in den Abend ein, der gleichzeitig eine Finissage der sorbischen Graphikerin und Malerin Iris Brankatschk bot, die dem Band „Fehlfarben“ auch die Graphik beisteuerte. Die Sorben hatten offenbar getrommelt und so war denn unter den etwa 50 Gästen des Abends manches Gespräch in dieser westslawischen Sprache zu hören. Das Ambiente der Galerie Kube, die Atmosphäre der Finissage der Brankatschk, die Einführung Kleinerts und die eindrückliche Lesung Lorenc’ gaben dem Abend ein unverwechselbares und beeindruckendes Gepräge.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0706 LYRIKwelt © Werner Berger