zufrieden und zerrissen.
Gedichte und Prosa von Isolde Ahr (2001, Ferber-Verlag).
Besprechung von Kurt Bott, 2001:
Auszug aus Buchkritik von Kurt Bott über "zufrieden und zerrissen"
"Isolde Ahr ... spricht einen
treuen Leserkreis an: Frauen lesen aus einer anderen Betroffenheit heraus, vor allem jene,
die Zufriedenheit und Zerrissenheit kennen, die bei der Lektüre die Beständigkeit ebenso
mitfühlend spüren wie ein sich Verlieren in Traumwelten.
Isolde Ahrs Poesie ist die Sprache ihrer Generation.
Hier trägt der Kampf (Die Mutmacherin) eine deutliche Botschaft. Aber wir lesen auch vom
Träumen, vom Fliegen, vom Trommeln und vom Wurzeln schlagen. Das eine beinhaltet ein
Abheben. Und gleichzeitig ist da die andere Seite: das Dableiben wollen.
Die Flucht in den Traum begegnet uns oft. Dann aber ist die Autorin wieder zu realistisch,
um sich ganz darin zu verlieren: "Es geht zu viel der Kraft verloren / beim Träumen
vom vergangnen Wir."(Verzeihen).
Schön sind die lyrischen Miniaturen, wie 'Wasserperlen' oder 'Frühling', ganz aus der
Naturbeschreibung heraus, ohne große Worte, die an anderer Stelle immer wieder einmal
gewichtig auftauchen: Sehnsucht, Hoffnung, Seele, 'Weiten der Ewigkeit', Gemeinsamkeit,
Geborgenheit.
Was wissen wir schon von ewigen Gefühlen?
Isolde Ahr ist eine Elementenmixerin: Luft, Wasser, Erde und Herzensfeuer, immer
symbolisch, immer lebensnah. Außer "Zufrieden und Zerrissen" könnte auch über
allem stehen: "Halt mich - laß mich" und die Frage: "Wohin mit meinen
Träumen?" (Liebe geben)
Die Liebe ist spürbar fern von allem Besitzergreifen und Beherrschen. Dennoch wird dies
vor allem in den Geschichten aufgegriffen. (Alhambra, Die letzte Fahrt, Rotkäppchen und
Wolfi, ...und Evelyn lächelt). Hier in der Prosa finden wir auch Märchenhaftes,
Alltägliches, Bitterböses, den durchscheinenden Aspekt des Angewiesenseins auf andere,
des Versorgtwerdens, der Lebenslüge (Die Patin).
"Wenn ich doch bleiben könnte" lesen wir in 'Mojaka'. Und warum kann man nicht?
Weil Gott die Trommel spielt, weil die Wurzeln zu kurz sind, weil die Nixe ins Meer
gehört, weil der Vogel Flügel hat. Uns bleiben die Träume, die Wünsche, die
Regenbogen. Isolde Ahrs Zuhause sind ihre Texte."
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