Zirkusblut. Austrian Psycho oder Der Rabiat Hödlmoser.
Roman von Franzobel (2004, Picus).
Besprechung von Andreas Freinschlag aus Rezensionen-online *bn*:

Herrlich anstößige, als Krimi verkleidete Satire. (DR)

Im Zirkus Bluth ereignen sich mehr als fünf Morde, zwei abgetrennte Frauenköpfe machen den Anfang. Die Ermittlungen schreiten nur zäh voran - ohne das geringste Leistungsethos des Ermittlers, des derben Kommissars Hörgas Hörgas. Nur mit Glück, das an Zufall grenzt, kann die Polizei die Täter überführen. Das Wesentliche dieses Buches ist nicht die kriminalistische Arbeit, diese ist nur der Topf für ein Potpourri an satirisch präsentierten Themen und Einfällen. Franzobel liefert eine Fülle von treffenden Pointen und Gedanken, die man zwar im Ansatz, nicht aber in dieser kuriosen Ausarbeitung kennen wird (z.B. eine ausführliche Typologie der Hutfahrer, "die nicht nur im Flugzeug, im Bett oder am WC, sondern auch im Auto ihren Hut aufhaben").

Franzobel spielt wieder brillant mit Versatzstücken aus der Trivialliteratur, erneut entpuppt er sich als Meister der genussvollen Inkorrektheit. Inkorrektheiten aller Art - nicht nur politische, auch soziologische, philosophische, geographische und alltagssprachliche - sind die satirische Füllung dieses Trashkrimis. Seine vielen Figuren treibt Franzobel als entsetzlich komische Marionetten in ihr Schlamassel. Dieses Buch ist ein Mordsspaß und robusten Erwachsenen unbedingt zu empfehlen, Jugendlichen nur mit Vorbehalt. Dem Inhalt und der Wortwahl nach handelt es sich um eine Lektüre für altersmäßig fortgeschrittene und moralisch belastbare LeserInnen. Das Erscheinungsbild imitiert freilich ein Kinderbuch: dicke Kartonage, dickes Papier, bunte Comicbildchen. Die Comics stammen von Norbert Trummer, der mit Franzobel auch schon das Vorläuferbuch kongenial gestaltet hat ("Austrian Psycho oder Der Rabiat Hödlmoser. Ein Trashroman in memoriam Franz Fuchs"). "Zirkusblut" kann unabhängig von "Austrian Psycho" gelesen, verstanden und bejubelt werden.

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