Zeitspüren.
Gedichte von Giuseppe
Ungaretti (2003, DVA - Übertragung Christoph
Wilhelm Aigner).
Besprechung von Hg
in Neue Zürcher
Zeitung vom 29.3.2003:
Ungaretti interlinear
Eine Auswahl aus Ungarettis Lyrik legt der bei Rom lebende Dichter Christoph Wilhelm Aigner vor. Den Hauptteil bilden Gedichte aus «L'Allegria» (hier: «Die Leichtigkeit»); Einzelnes aus «Sentimento del Tempo» («Zeitspüren») und «Poesie disperse» («Verstreute Gedichte») kommt hinzu. Die Ausgabe ist zweisprachig, was bei Lyrik-Übersetzungen eine Selbstverständlichkeit geworden, hier aber besonders notwendig ist, weil Aigner einen deutschen Text vorlegt, der kaum mehr als eine Verstehenshilfe bietet, so dass der Leser auf das Original verwiesen bleibt, durch die Übersetzung aber auch meist verlässlich zu ihm hingeführt wird. Der eine und andere Lapsus - «Farbe» wird (in «Tappeto») zu dem Maskulinum, das sie im Italienischen ist; warum «si fondono» (in «Nostalgia») heissen soll: «werden ins Leben gerufen», bleibt rätselhaft; «franto» (in «Ritorno») wird man trotz dem Beispiel der Olivenernte eher mit «gebrochen» als mit «ausgepresst» übersetzen usw. - ändert am Gesamteindruck nicht viel. Vor allem: ein neuer Anstoss, Ungaretti zu lesen.
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