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Zaira.
Roman von Catalin D. Florescu (2008,
Beck).
Besprechung von Sabine
Peters in
Freitag 15, 11.4.2008:
Meine Beine wollen zu Dir!
Catalin D.
Florescus Roman "Zaira"führt zurück in das Rumänien der Vergangenheit
Rumänien Anfang der dreißiger Jahre: Die kleine Zaira
Izvoreanu liegt im Bett und starrt auf ihre Zehen. Ihre Eltern, wohlhabende
Großgrundbesitzer, sind häufig unterwegs, und auf dem Gutshof hat kaum einer
Zeit, sich mit dem Kind abzugeben. Der Cousin Zizie aber strengt all seine
Fantasie an, um Zaira aufzuheitern; er führt Puppenspiele auf, die so frech wie
einfühlsam sind, und damit schaffen sich die beiden eine eigene, beglückende
Welt.
Catalin D. Florescu, 1967 in Rumänien geboren, lebt seit 1982 in der Schweiz.
Nach seinem vielbesprochenen Debütroman Wunderzeit (Freitag
13/2001) erzählt er in seinem neuen Roman Zaira eine Lebensgeschichte
aus dem 20. Jahrhundert, in der die großen politischen Ereignisse ihren
direkten, drastischen Einfluss auf einen individuellen Lebenslauf ausüben.
Den Zweiten Weltkrieg erlebt das Kind Zaira in dem abgelegenen rumänischen Dorf
mehr oder weniger verschwommen; aber als die Kommunisten nach ´45 die Macht
übernehmen, als sie die Familie enteignen und die Eltern als Kollaborateure der
Deutschen erniedrigen, ist Zaira bereits eine hellwache, eigenwillige junge
Frau. Zizie scheitert an den neuen Verhältnissen, er geht am Alkoholismus zu
Grunde. Zaira verliebt sich in den Puppenspieler Traian, und gemeinsam betreiben
sie ein beliebtes Marionettentheater. Im sozialistischen Rumänien haben die
spottlustige antikommunistische Heldin und ihresgleichen allerdings nicht viel
zu lachen. Das Puppentheater gilt bald als ideologisch verdächtig, und auch
Traian tröstet sich leider allzu oft mit der Flasche.
Zaira verschweigt ihm, dass er der Vater ihrer Tochter Iona ist. Während des
Prager Frühlings, 1968, flieht Zaira mit der Tochter und dem Meeresbiologen
Robert über die CSSR und Österreich in die USA; dort baut sie sich energisch
eine neue Existenz als Köchin auf. Nur mit den Männern hat sie kein Glück: Eines
Tages erfährt sie, dass Robert sie jahrelang mit der Tochter betrogen hat. Zaira
selbst trauert im Grunde Traian nach. Als alte Frau wird sie ins
postsozialistische Rumänien zurückkehren und ihn dort wiederfinden - was dann
aus den beiden wird, bleibt dahingestellt.
Ein düsteres Buch? Nein. Denn man spürt auf jeder Seite dieses Buchs die
Zuneigung, die der Autor seiner Heldin gegenüber empfindet. Zaira ist keine
Lichtgestalt, auch sie pokert mit der geschmähten kommunistischen Macht. Sie ist
egozentrisch, ihr Standesbewusstsein und ihre Eitelkeit, eine "echte Izvoreanu"
zu sein, hindern sie oft daran, sich in andere hineinzuversetzen - aber man
könnte natürlich auch von ihrem Stolz sprechen, der bewirkt, dass sie nicht
alles mit sich machen lässt. So weigert sie sich, eine Scheinehe mit einem
schwulen rumänischen Minister zu führen, die ihr materielle Vorteile verspräche.
Florescus Buch hat ein paar Längen, und der Versuch, die "große" politische
Zeitgeschichte mit dem "kleinen" individuellen Schicksal zu verbinden, wirkt
gelegentlich weit hergeholt, etwa wenn es um den Vietnam-Krieg der Amerikaner
geht. Auch die Konstruktion von einem einzigen schurkischen Kleinbauernsohn und
Kommunisten, der im Hintergrund die Fäden zieht; der Zaira und ihrer Familie
alles Unglück einbrockt, das sie erleben, ist vielleicht etwas bemüht.
Was einen mit dem Roman versöhnt, was einen oft bezaubert, ist die liebevolle,
detailgenaue Darstellung des Kleinen, Alltäglichen. Die Figuren haben ja nicht
nur ein "Schicksal", sie haben auch ihre Schrullen, die sie herzhaft ausleben -
und das gibt dem Roman seine Wärme und seinen Witz. Florescus Sprache hat die
Leichtigkeit, die Komik und den Charme eines Marionettenspiels, sie nimmt dem
oft traurigen Geschehen seine Schwere und lässt die Figuren sozusagen schweben.
Traian, grundlos eifersüchtig auf den Minister, sagt seiner Zaira etwa: "Ich
will nicht zu dir, aber meine Beine wollen es. Was soll ich schon machen? Die
sind in der Mehrzahl." Oder: Zairas Mutter war als junge Frau so dünn, dass der
Vater damit prahlt, sie durch den Ehering ziehen zu können. Schräge Vergleiche,
originelle Bilder, das bewusste und dabei spielerische Vermischen von deutschen
und rumänischen Redensarten: Florescus entwurzelte Heldin ist nicht etwa um eine
Sprache ärmer geworden, sondern um eine reicher - und das gibt diesem Buch seine
Lebendigkeit.
[...diese und weitere Besprechungen
finden Sie unter
]
Leseprobe I Buchbestellung 0408 LYRIKwelt © Freitag/Sabine Peters
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2.)
Zaira.
Roman von Catalin D. Florescu (2008,
Beck).
Besprechung von Bettina Egbert aus der
NRZ vom
5.05.2008:
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0508 LYRIKwelt © Neue Ruhr/Rhein Zeitung