1.) - 2)
Yquem.
Roman von Michael
Amon (2002, Otto-Müller-Verlag).
Besprechung von Uwe Schütte aus der
Frankfurter Rundschau, 14.12.2002:
Wein, Weib und Nazis
Michael Amons nicht bloß spannender,
sondern politischer Weinkrimi "Yquem"
Die Handlungsebenen sind auf verschiedene Weise kunstvoll miteinander verknüpft.
Neben leitmotivischen Zitaten aus einem Song der Rolling Stones, spielt Amon
in seinem Roman wiederholt auf das biblische "Buch Rut" an. Für
innere Kontinuität sorgt der sparsame, dafür aber ästhetisch umso
wirkungsvollere Einsatz von Passagen in der Art eines Bewusstseinsprotokolls.
Die Vielschichtigkeit in stilistischer Hinsicht, das Nebeneinander von ferner
und naher Vergangenheit, den großen Fragen der Menschheit und der miesen
Kleinkariertheit in der österreichischen Provinz, kurz: die gelungene
Synthese von Unterhaltung und Anspruch macht Michael Amons Yquem zu
Literatur im besten Sinne.
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Leseprobe I Buchbestellung 0103 LYRIKwelt © Frankfurter Rundschau
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2)
Yquem.
Roman von Michael
Amon (2002, Otto-Müller-Verlag).
Besprechung von Wilfried Hierse in den Nürnberger
Nachrichten vom 28.12.2002:
Die Wut des Weinsammlers
Wortgewandter Roman über alte braune Seilschaften und junge
Liebe
Das Porträt auf dem Schutzumschlag zeigt einen barocken Typen, einen Genießer. Michael Amon nimmt man ab, viel von dem zu verstehen, worüber er seinen weinseligen Politroman "Yquem" (Otto Müller, Salzburg, 20 Euro) geschrieben hat. Weinkenner, -liebhaber und -sammler ist der Ich-Erzählen. Den Menschen bleibt er gerne fern, sein langjähriges "gschlampertes Verhältnis" ist unverbindlich. Aus der höheren Warte seines Hauses am Berghang sieht er dem Treiben der nationalistischen Honoratioren in einer österreichischen Provinzstadt zu. Wenn er räsoniert, dann im Freundeskreis. Das Wadlbeißen überlässt er seinem Spezi, einem notorischen Gründer von Bürgerinitiativen.
Den Ich, der von sich sagt, er verfüge in den unwichtigsten Dingen über die höchste Begabung, treibt die Leidenschaft nach alten und sündhaft teuren Weinen. (Eine weitere kommt im Laufe der Handlung noch hinzu.) Aktuell verlangt ihn nach jener letzten noch existierenden Flasche eines Château d'Yquem, Jahrgang 1740, die von einem indianischen Stamm im Urwald Südamerikas als Gottheit verehrt wurde, ehe sie verschwand. Das zweite ihn belebende Element ist die junge Jüdin Ruth, die ihm durch Zufall ins Haus schneit. Sie sucht im Ort nach ihren Wurzeln und Hinterlassenschaften aus dem arisierten Besitz ihrer Großeltern.
Der Ich und die junge Frau kommen sich näher, nahe bis zu den Keks-Krümeln im gemeinsamen Bett. Doch wie nahe, das bleibt der Fantasi edes Lesers überlassen. Dafür geht es ausführlich um Weine, Hotels, kriminelle Weinhändler und das absurde Ritual einer Weinverkostung von 125 Jahrgängen Yquem. Und die Reaktionen der Dorf-Bonzen auf die jüdische Frau, die dem Ich zunehmend Wut machen. Als die allgemeine Fremdenfeindlichkeit persönlich wird, was die Ruth vertreibt und den Ich in die Komplikationen der Liebe verstrickt, entdeckt der einen unbändigen und ziellosen Hass in sich.
Amon ist ein wunderbarer Fabulierer, auf österreichische Art mitunter herrlich altmodisch. Ein Gastgeber, der mit Worten den Leser zum Wein bittet. Der Anteil an seinen Gefühlen zulässt. Der Wut auf die braunen Seilschaften körperlich spürbar macht. Der die Empfindungen eines verschämt Liebenden rührend miterleben lässt.
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