Wovon
ich rede, wenn ich vom Laufen rede.
Roman von
Haruki Murakami (2008,
DuMont - Übertragung Ursula Gräfe).
Besprechung von Thomas Becker in der WAZ
vom 19.4.2008:
Wenn ich vom Laufen rede . . .
In einem Büchlein outet sich der japanische
Erfolgsschriftsteller Haruki Murakami als Marathon-Mann. Seine Gedanken über
Schmerz, Erfolg und Meditation dürfte nicht alle Fans des Autors ansprechen
"Zumindest ist er nie gegangen." Diese für einen Marathon-Läufer ehrenvolle
Grab-Inschrift wünscht sich Haruki Murakami. Der Japaner ("Gefährliche
Geliebte"), hat sich jetzt als Sportler geoutet: "Wovon ich rede, wenn ich vom
Laufen rede". Wer wissen will, "wie man ein laufender Romancier wird", so
Murakami, der hat an diesem Büchlein viel Freude. Wenn Murakami in seiner
einfachen und direkten Sprache über die Gemeinsamkeiten von Philosophie und
Laufen spricht, dann weiß der Leser und häufig einsame Marathon-Mann, dass die
schreibende Prominenz die gleichen Probleme hat wie er. Zwickt wieder das Knie
und wie schaffe ich es, zwischen den vielen Terminen auch noch zu trainieren?
Murakami beschreibt, wie er den Ur-Marathon, die klassische Strecke von Athen
bis Marathon läuft. Dabei ist er kurz davor, ein Opfer des Sommersmogs und der
Mittelmeer-Hitze zu werden. Schön ist, wie Murakami als Kind der Beatles- und
Stones-Generation über musikalische Vorlieben schreibt, die er per Kopfhörer
beim Kilometerfressen genießt und dem Läufer Hör-Tipps auf den langen Weg gibt.
Murakami, der immer wieder betont, dass sowohl zum regelmäßigen Schreiben als
auch zum Laufen ein Höchstmaß an Disziplin gehört, wurde für dieses Buch nicht
von allen gelobt. Was daran liegen mag, dass nicht alle treuen Fans Läufer sind.
Wer nicht versteht, dass Schmerz, Erfolg, Genuss und Meditation im Marathon nah
beieinander liegen, für den dürften Murikamis Lauf-Episoden nicht so reizvoll
sein.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]
Leseprobe I Buchbestellung 1208 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Westdeutsche Allgemeine