Wortraum.
Haiku von Christine
Gradl (2002, Wiesenburg-Verlag).
Besprechung von Imre Máté, Budapest/München, 2003:
Leise Töne im Mikrokosmos
Was Haiku ist, erklärt Rüdiger Heins im Vorwort des Büchleins ausführlich. Es ist gut so, denn nicht jeder weiß, dass der Haiku eine japanische Versform ist, ein Dreizeiler mit fünf/sieben/fünf Silben. Der Haiku hat aber auch andere Voraussetzungen. Er muss eine Stimmung vermitteln und eine Aussage beinhalten. Christine Gradls 63 Haikus in 7 Zyklen erfüllen diese Voraussetzungen. Sogar die uralten, heiligen Zahlen 7 und 9 sind zu entdecken. Sieben mal neun sind dreiundsechzig in sieben Zyklen!
Der Haiku zwingt zum "Dichten". Christine Gradl neigte in ihren vorausgegangenen Werken dazu, die Worte zu fluten, die Dinge zu umschreiben. Nicht generell, aber auch nicht selten. Deswegen ist der Wortraum eine sehr positive Überraschung. Sie kann sich wohl kurz fassen und das ungezwungen, flott! Rüdiger Heins irrt sich allerdings, wenn er behauptet: "Christine Gradl ist so eine Minimal-Art-Künstlerin der Sprache." Das trifft hier nicht zu. Diese Haikus sind inhaltlich wie sprachlich sehr anspruchsvoll. Maximalistisch!
Sand in meiner Hand
zerrinnt zwischen den Fingern
so wie Zeit vergeht
Stimmung vorhanden, Aussage und eine Alliteration als Zugabe! Die Mehrheit der 63 Haikus bewegt sich binnen der Horizonte des Alltagsmenschen. Diese Dreizeiler sind leise, feine Töne im Mikrokosmos einer Seele, die die Grenzsteine zwischen Himmel und Erde kennt.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]
Leseprobe I Buchbestellung I home 0803 LYRIKwelt © I.M.