1.) - 3.)
Wir
fliegen.
Erzählungen von Peter Stamm (2008,
S. Fischer).
Besprechung von Beatrice von Matt aus Neue
Zürcher Zeitung vom 05.04.2008:
Brüchige Tage
«Wir fliegen» – neue Erzählungen von Peter
Stamm
Da soll noch jemand sagen, die Menschen seien gleichgeschaltet. Jeder lebt sein Drama, jeder ein anderes. Peter Stamm weiss es, und er gestaltet diese Dramen ebenso gewaltig wie zart. Auch in seinen neuen Erzählungen «Wir fliegen» stellt er je eine einzelne Gestalt in den Mittelpunkt und erweist sich dabei als ein Menschenzeichner, wie man ihn in der deutschen Literatur heute selten findet. Der neue Geschichtenband überragt die beiden früheren noch, «Blitzeis» und «In fremden Gärten».
Meister der Dunkelheiten
Stamm erzählt von gewöhnlichen Leuten so, dass einen das Grauen packt, nicht vor den Leuten selber, aber vor dem Wagnis der Existenz, das sie zu bestehen haben. Manche wissen nicht, wer sie sind und was sie wünschen, und schauen ihrem Leben tatenlos zu. Bis sich plötzlich doch etwas verändert. Andere haben wohl eine Ahnung. Sie erspüren oder erzwingen etwas wie eine Lösung, wollen sich nicht nur arrangieren. Es gibt sogar solche, die sich einer Krise aussetzen, sich verwandeln und diese Verwandlung für andere fruchtbar machen. Einzelne versteigen sich gefährlich in fixe Ideen wie der Mann in der Geschichte «Die Verletzung», der nicht von der Liebe eines Sommers lassen kann und verrückt wird darob.
Dieser Autor ist ein Meister der Dunkelheiten. Manche seiner Figuren lässt er ziellos durch die Nacht streifen: die angehende Künstlerin etwa, die in Innsbruck den Schlafwagen verlässt, weil sie Angst hat vor der Wiener Akademie. In der Erzählung «Der Befund» steigt Bruno, der Mann von der Rezeption, nach Mitternacht nackt ins Schwimmbad seines Luxushotels. So rüstet er sich für die Diagnose des Arztes, die ihn anderntags erwartet. Überhaupt hat dieser Schriftsteller einen archaischen Sinn für Rituale. Wir kennen das schon von Andreas her, dem Helden seines jüngsten Romans, «An einem Tag wie diesem». Ohne Kleider legt dieser sich ans Meer und erahnt hinter dem Blau über ihm die Schwärze des Weltalls. Nacktheit bedeutet bei Stamm oft die Voraussetzung zu einer Genesung.
Der bedrängte Priester in der Erzählung «Kinder Gottes» geht über ein Rübenfeld wie durch die Wüste und stösst darin auf «eine Insel», einen Kreis hoher Bäume. Niemand kann ihn sehen. Er zieht sich aus, auch die Brille und den Ring, den ihm die Mutter einst mit auf den Weg gegeben hat: «. . . und er fiel vornüber auf die Knie und kniete da, nackt und mit erhobenen Armen. Er begann zu singen, leise und mit heiserer Stimme, aber es war nicht genug. Und so schrie er, schrie, so laut er konnte, denn er wusste, dass ihn hier nur Gott hören konnte, dass Gott ihn hörte und auf ihn herabschaute.» Darauf erlebt er eine moderne Weihnachtsgeschichte, die nicht nur ihn, sondern auch die spröde Umgebung verändert. Der Text gehört zum Kühnsten, was man in letzter Zeit lesen konnte. Ihm eignen die Naivität und die Glaubenskraft einer alten Legende, und doch spielt er mitten unter uns und mitten in unseren säkularen Zeiten.
Peter Stamm beherrscht die subtilsten Anwandlungen und Stimmungen. Er arbeitet dabei so körperlich aus dem Innern der Figuren heraus, gerade aus dem Innern von Frauenfiguren, dass man unwillkürlich an Tschechow denkt – nur dass der Russe noch eine festgefügte Gesellschaft im Rücken hatte. Diese verbot ihm von vornherein jene fast erschreckende Intimität, die Peter Stamm in Sprache zu fassen vermag. Derzeit gibt es unter männlichen deutschsprachigen Autoren vielleicht nur einen, der ihm darin gleichkommt: Thomas von Steinaecker im Roman «Wallner beginnt zu fliegen» von 2007.
Alle seien wir verlorene Kinder, scheint es immer wieder aus dem Subtext zu raunen. Doch haben einige die Chance, das Ganze selbstbestimmter zu bestehen. Es sind jene, die von einem geheimen musischen Eros, von einer Leidenschaft zum Gestalten bewegt sind. Auf das Ergebnis kommt es dabei weniger an als auf die Vision als solche. Einer ist Maler, hat den Kopf «voller Landschaften», Hunderte von Blättern in der Mappe, Material fürs Leben. Eines Tages stellt ihm ein Kind die Frage, warum er da auf dem Feld stehe und zeichne – was ihn tief verunsichert. Dennoch trägt ihn am Ende die künstlerische Passion über seine Selbstzweifel hinweg.
Im Hinterhalt des Alltags
Ähnlich ergeht es dem Höhlenforscher, der den Vortrag über seine letzte Expedition aufziehen möchte wie eine Performance, um das Höhlenerlebnis authentisch zu vermitteln. Statt mit Bildern und Worten konfrontiert zu werden, sollte das Publikum schweigend die Zeit verrinnen lassen und so das endlose Werk des Wassers im Stein erspüren. In Wahrheit hat die Erfahrung in den Höhlen seine eigenen Kräfte überstiegen. Als er einer Frau gesteht, dass er seit dem Durchqueren bis an die Decke mit Wasser gefüllter Wannen und dem Durchstieg durch engste Spalten keinen Aufzug mehr betrete, fühlt er sich plötzlich befreit. Erst mit diesem Bekenntnis hat er das Abenteuer einer zweiten Geburt bestanden. «Seltsam heiter» geht er durch die Sternennacht zu seinem Auto und ist sich sicher, gewonnen zu haben. Auch wenn er nicht genau sagen kann, gegen wen.
Wie sich fragile Seelen durch das Reich der Zufälle tasten, das ihr Dasein ausmacht, davon berichtet Peter Stamm. Alle Geschichten streifen Ungreifbares, stecken voller Süchte und Sehnsüchte, Gefahren und Tücken. Der so geheimnisvoll zu erzählen weiss und dabei die Hinterhältigkeit alltäglicher Situationen aufdeckt, ist ein aufrührender Deuter heutiger Versuche, sich im Leben einzurichten.
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2.)
Wir
fliegen.
Erzählungen von Peter Stamm (2008,
S. Fischer).
Besprechung von Karl-Markus
Gauss in DIE ZEIT, 29.5.2008:
Das schönste, traurigste
Schweigen
Wie Peter Stamm es in seinen Geschichten schafft, aus fast
nichts alles zu zaubern
Schwer ist es, erwachsen zu werden. Und schwer ist es zu altern. Aber erst die Zeit dazwischen! All die Jahre, in denen die kleinen Hoffnungen zunichtewerden und einem keine größeren mehr einfallen, für die es zu kämpfen, was heißt zu kämpfen: nur einfach auszuharren, jeden Tag neu zu bestehen lohnte. Was das Scheitern anbelangt, das leise Scheitern im Alltag, dem kein heftiges Aufbegehren vorangeht und kein dramatisches Leiden folgt, darin ist der 1963 geborene Schweizer Peter Stamm ein literarischer Meister. Seine Romane und Prosasammlungen, lakonisch und unprätentiös erzählt, in verhaltenem Ton, von minimalistischer Erzählökonomie und schnörkellosem Stil, fügen sich zu einer Enzyklopädie des Scheiterns, in der die unausgesetzte Abfolge von Niederlagen und Enttäuschungen, die das Leben für seine Protagonisten ausmacht, verzeichnet wird.
Ein paar Jahre der Ehe, das kann es doch nicht gewesen sein
Dies ist ein Autor, der sich auf das vergeudete, auf das nicht gelebte, nur hingenommene und ertragene Leben spezialisiert hat. Einerlei, ob es sich um einen jungen Dorfschullehrer oder eine resche Barkeeperin handelt, um eine talentierte Zeichnerin, die sich in einer Ehe mit einem Provinzspießer abhandenkommt, oder die einsame Witwe eines Steuerberaters; einerlei, ob diese unsäglich traurigen Geschichten irgendwo in den Metropolen der Welt spielen (wie einige Geschichten des Erzählbands In fremden Gärten von 2003), in Schweizer Provinzstädten oder zwischen Alpendorf und Einöde: Was Peter Stamm seinen stumm verzweifelnden Helden, seinen nur höchst selten in ihrer Verzweiflung auch aufschreienden Heldinnen widerfahren lässt, das ist immer und überall dasselbe. Der topografische und der soziale Ort haben darauf keinen Einfluss, Stand und Beruf bedeuten fast nichts. »Ich glaube nicht, dass sie über mich reden werden«, sagt sich in der ersten Erzählung von Stamms neuem Band die nicht mehr ganz junge Frau, die ihre Gäste nach dem Abendessen verfrüht hinauskomplimentiert hat. »Es gibt nichts zu reden über mich, und das ist gut so.«
Genau so könnte das auch die junge Kindergärtnerin sagen, von der die Titelgeschichte erzählt und die eines Abends merkt, dass sie eigentlich weder die Kinder, mit denen sie tagsüber zu tun hat, noch ihren Liebhaber, der nach Dienstschluss mit ihr seinen Spaß haben möchte, richtig mag; oder der Hotelrezeptionist, der seit dreißig Jahren seinen Dienst versieht, ohne aufzumucken, pflichtbewusst mit seiner Frau in gespenstischer Sprachlosigkeit das Abendessen einzunehmen pflegt und jetzt, nachdem man ihm ein Muttermal am Rücken entfernt hat, auf den histologischen Befund wartet, der vielleicht sein Todesurteil sein wird: »Er hatte sich nie viel gewünscht, hatte nur immer gehofft, dass alles so bliebe, wie es war.«
Warum Stamms Frauen und Männer, die jungen und die alten, gar nie auf die Idee kommen, dass nicht immer alles nur bleiben müsse, wie es ist, und sich Freunde oder Kollegen vielleicht auch über sie etwas zu erzählen haben könnten, das wird uns von Stamm nicht verraten. Er bleibt mit durch nichts zu irritierender Konsequenz seinen Figuren ganz nahe, vielleicht gelingt es ihm merkwürdigerweise bei den Frauen und den Alten sogar noch etwas besser, gewissermaßen aus ihrem Inneren heraus zu erzählen.
Auf ihre Weise ist eine Geschichte wie Drei Schwestern nicht zu übertreffen. Heidi wächst auf in einem Ort, in dem sie stets die Bergkette der Drei Schwestern vor Augen hat. Sie zeichnet und malt und wird darin unterstützt von ihrer Zeichenlehrerin, einer offenbar lesbischen Frau so ein aufdringliches Wort ließe sich der diskrete Autor aber niemals durchgehen - , und macht sich eines Tages auf, mit dem Zug nach Wien zu fahren, um sich an der Kunstakademie zu bewerben. In Innsbruck aber hat sie der Mut schon verlassen, sie steigt aus, gerät noch in derselben Nacht in die Arme eines Mannes, der ihr mittels eines unverzüglich gezeugten Kindes ihren künstlerischen Spleen schon noch austreiben wird. Erst nach ein paar Ehejahren fängt Heidi wieder zu zeichnen an, es ist stets der von ihr mehr halluzinierte Körper eines Mädchens namens Carmen, das sich selbstbewusst auf ein Leben vorbereitet, das sie mit Frauen führen wird. Drei Schwestern, die alte Zeichenlehrerin, ihre begabte Schülerin und die junge Frau, die es, vielleicht, schaffen wird, ihr Leben nicht nur hinzunehmen, sondern zu gestalten.
Die Geschichte von den drei Schwestern ist eine der wenigen des Bandes, in denen immerhin die Ahnung davon aufscheint, dass die Dinge auch eine andere Wendung nehmen könnten. Doch fragt sich Heidi, eingesargt in die Ehe mit dem redlich dummen Mann, »was gewesen wäre, wenn sie damals nach Wien gefahren wäre und ihre Mappe eingereicht hätte«. Wahrscheinlich wäre sie dann »jetzt Zeichenlehrerin in irgendeiner Kleinstadt«, und wie Stamm das sagt, mag es behutsam klingen, aber es ist in Wahrheit nichts anderes als grausam.
Ein paar Runden im Schwimmbad nur, vielleicht wird alles gut
Offenbar reicht ihm die Markierung »Zeichenlehrerin in der Kleinstadt« aus, dass auch dieses alternative Leben wiederum nur ein verpfuschtes hätte werden können. Es herrscht ein eklatanter Mangel an Aufbruch, Widerspruch, Renitenz in diesen Biografien, selbst den missglückten Aufruhr wider die marternde Normalität, etwa in Form von alkoholischen Exzessen, hysterischen Attacken, manifesten Depressionen, billigt er seinen Figuren nicht zu. Duldsame Existenzen, sind sie einzig da, um zu leiden, und alle leiden sie unendlich diszipliniert und selbstbeherrscht. Man darf Bücher nicht an dem messen, was die Prosa des Klappentextes von ihnen verspricht: Aber dass es Peter Stamm gelänge oder auch nur darum ging - , im zäh fließenden Leben seiner Figuren jene »Momente einzufangen, in denen sich etwas verändert«, das ist schlichtweg für ein anderes Buch als jenes formuliert, das Wir fliegen heißt. Auf geradezu prekäre Weise sind die zwölf Erzählungen vielmehr auch darin stimmig, dass sie die Verzagtheit zum natürlichen Lebenszustand der Menschen erklären.
Geradezu beglückt liest man daher jene zwei, drei Geschichten, in denen ein Aufbruch, wie bescheiden auch immer, angedeutet wird. Ein einziges Mal isst der Hotelangestellte, der morgen Nachricht über Leben oder Tod erhalten wird, nicht bei seiner Frau, weil er »diesen letzten Abend nicht mit ihr verbringen wollte, mit ihrer falschen Fürsorge, mit ihrem unnützen Geschwätz«. Er bleibt im Hotel, und als alle Gäste und Angestellten schlafen, begibt er sich zum Swimmingpool, legt seine Kleider ab und tut das, woran er all die Jahre nicht einmal zu denken wagte: Er schwimmt im Becken ein paar einsame Runden.
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3.)
Wir
fliegen.
Erzählungen von Peter Stamm (2008,
S. Fischer).
Besprechung von Stefan Beuse aus dem titel-magazin,
11.08.2008:
All the things we are
Wir fliegen versammelt ausnahmslos Liebesgeschichten. Einige
von ihnen funktionieren gewissermaßen über Bande, aber sie gehen immer, wenn
auch auf unterschiedliche Art, zu Herzen.
Ein Junge wird nicht aus dem Hort abgeholt. Die Erzieherin
nimmt ihn mit zu sich nach Hause. Sie warten.
Eine Frau hört Schritte in der Wohnung über ihr. Das Knarren des Fußbodens wird
zu einer Anwesenheit.
Menschen ahnen, dass ihr Leben aus dem Ruder oder in die falsche Richtung
gelaufen ist, oder sie erkennen, dass es keine falsche Richtung gibt, solange
man bei sich ist, und natürlich liegt jetzt ein Wort nahe, dass fast
zwangsläufig fällt, wenn man über Peter Stamms Geschichten spricht. Dieses Wort
findet sich auch im Klappentext, in Rezensionen, es heißt „Alltagsgeschichten“
und ist meilenweit davon entfernt, das zu benennen, was in Peter Stamms Prosa
passiert.
Wir fliegen ist bereits der dritte Band mit Erzählungen des 1963 geborenen
Schweizers. Wie Ralf Rothmann
veröffentlicht er in schöner Regelmäßigkeit abwechselnd einen Roman und einen
Band mit Geschichten; wie Ralf Rothmann
hat Peter Stamm seine Sprache schon früh gefunden, seitdem verfeinert er sie,
von einer Veränderung kann nicht die Rede sein. Warum auch:
Rothmann und Stamm gehören zu den
herausragenden Stilisten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, ihre Prosa
zu lesen ist ein fast religiöses Erlebnis. Mit maximaler erzählerischer Ökonomie
und Virtuosität umkreisen beide die Dinge des täglichen Lebens – auf eine Art,
die einer Meditation gleichkommt, in der Präzision und Konzentration zur
Transzendenz führen.
Unterschied zwischen Alltagsgeschichten und alltäglichen Geschichten
Doch während bei Rothmann das Religiöse Teil des erzählerischen Programms ist,
scheint sich Stamm regelrecht dagegen zu wehren. Beide erzielen mit fast
identischen Mitteln ähnliche Ergebnisse, die zugrunde liegende Anschauung jedoch
ist verschieden. Ein Unterschied, der sich im Ton, in der Geschmeidigkeit der
Sprache niederschlägt: Bei Rothmann klingt und federt sie, bei Peter Stamm kommt
sie knochentrocken, spröde und oft erschreckend lakonisch daher.
Die Geschichte „Kinder Gottes“ zum Beispiel verhandelt nicht weniger als die
mögliche Rückkehr des Herrn; es ist die Geschichte einer unbefleckten
Empfängnis, eines Pfarrers, der die heilige Jungfrau bei sich aufnimmt, um sie
zu schützen – und letztlich dem Reiz ihres Fleisches verfällt. Es ist eine
mutige, ganz und gar nicht alltägliche Geschichte voller religiöser Motive,
biblischer Zitate und gesellschaftlicher Tabus. Von der Anlage her böte sie die
ideale Plattform für einen platten Generalangriff auf die Doppelmoral der
katholischen Kirche, doch die Nüchternheit, das Fehlen jeglicher Wertung oder
Empathie macht den Text zu einem kalt funkelnden Juwel, dessen Brillanz sich in
der Irritation des Lesers spiegelt.
Leidenschaftliche Gleichgültigkeit
Wir fliegen versammelt ausnahmslos Liebesgeschichten. Einige von ihnen
funktionieren gewissermaßen über Bande, aber sie gehen immer, wenn auch auf
unterschiedliche Art, zu Herzen.
Die letzte Geschichte „In die Felder muss man gehen...“ präsentiert einen Maler
und seine Kunst; im Grunde aber ist es die kaum verschlüsselte Poetologie der
Stamm’schen Prosa: „Dein Blick ist kalt, aber nicht gefühllos. Die Kälte des
Blicks ist Bedingung. Du darfst nicht mitschwingen, wenn du klar sehen willst...
Du arbeitest aus einer leidenschaftlichen Gleichgültigkeit heraus.“
Vielleicht ist es gerade die entschiedene Kälte des Blicks, die beim Leser
Gefühle erzeugt, genauso wie es die Leerstellen sind, die Bilder entstehen
lassen. Vielleicht ist es gerade die konsequente Verhaftung in der Dingwelt, die
diese Texte abheben lässt.
Denn dass sie trotz ihrer Schmucklosigkeit an jeder Stelle funkeln und blitzen,
ist ein Indiz dafür, dass hier perfektes Handwerk aufhört und große Kunst
beginnt. Ab diesem Punkt versagen Erklärungen. Oder sie werden peinlich. Man
kann sich dann nur noch verneigen. Auch, wenn das jetzt religiös klingt.
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