Was machen wir jetzt?
Roman von Doris Dörrie (2000, Diogenes).
Besprechung von Ulrich Steinmetzger aus der NRZ vom 26.01.2000:

Männer, Frauen, also wir
Dörries erster Roman

Fred Kaufmann wollte sein wie Jack Nicholson: Mit Maria Schneider im offenen Cabrio unter grünem Blätterhimmel. Flüchtig, sehnsüchtig, der Schwerkraft entbunden. Und hinter der schwarzen Sonnenbrille milde lächelnd. Deswegen hat Fred Kaufmann an der Filmhochschule München Regie studiert. Wenigstens wollte er solche Filme machen. Aber jetzt, nach knapp 17 Jahren Ehe, ist er ein gut dressierter moderner Mann. Jetzt, wo ihn seine Frau auf die Flucht geschickt hat, fällt ihm Bob Dylan ein: Irgendwann muss man einsehen, nicht mehr der zu sein, der man einmal war. Oder sein wollte. Doris Dörrie ist wie Fred. Sie hat an derselben Hochschule studiert wie ihr Antiheld. Heute ist sie dort Professorin und Deutschlands erfolgreichste Regisseurin obendrein. Neunzehn Filme hat sie gedreht, nicht wenige davon zum Thema Männer. Nun hat sie Fred Kaufmann auf die Leinwand geschickt und gleichzeitig in ihren ersten Roman. Das Buch aber ist anders als der Film. Das Buch ist besser. Über weite Strecken ist es sogar richtig gut. Das muss nicht überraschen. Doris Dörrie hat mit ihren Geschichten längst bewiesen, dass sie eine der wenigen deutschen Spitzenerzählerinnen ist. Sie hat die Leichtigkeit der US-Amerikaner und den Blick für die kleinen Absurditäten, die jeder tut, wenn er sich unbeobachtet fühlt. Sie schreibt über uns und das mit einem sicheren Gespür für die Dramatik des Alltags. Aber sie denunziert ihn nicht. Fred Kaufmann ist einer von uns. Er ist zu blöd zum Glücklichsein. Wenn er von sich erzählt, weiss jeder, was er meint. 45 ist er. Nicht mehr jung also, aber noch nicht alt. Er hat keine großen Erwartungen mehr. Sowieso braucht ein Mann nicht viel mehr als Sex, was zu essen und Stille. Doch immer müssen die Frauen reinreden... Ob dann alles anders wird, verrät Dörrie nicht. Aber die Slapsticks liest man gern, weil Doris Dörries Figuren stimmen. Ist es nun tragisch oder komisch, immerfort über seine Doppelgänger lachen zu müssen? Es ist egal, denn es tut gut.

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