Dylan Thomas. Waliser. Dichter. Trinker.
Buch über Dylan Thomas von Elke Heidenreich, (2011, Knesebeck Verlag, mit Fotos von Tom Krausz).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 10.3.2011:

Dylan Thomas: Waliser, Dichter, Trinker
Elke Heidenreich startet in einem Buch den Versuch, den walisischen Dichter auch außerhalb seiner Fangemeinde interessant zu machen.

Fragt man die Leute in seinem walisischen Heimatort nach dem weltberühmten Sohn, tun ihn immer noch viele als "Dorfsäufer" ab. Dylan Thomas hat sich sehr um diesen Ruf bemüht. Angeblich waren seine letzten Worte: "Ich hatte gerade 18 Whisky. Ich denke, das ist Rekord."

Danach fiel er während einer New-York-Reise 1953 ins Koma und wachte nicht mehr auf. 39 war er. Auf seinem Sarg, der im Schiff nach Wales gebracht wurde, spielten Matrosen Karten. Das gefiel seiner Ehefrau, selbst Alkoholikerin. Weil es "ihm" gefallen hätte: "Und dem Tod soll kein Reich mehr bleiben. / Die nackten Toten, die sollen eins / Mit dem Mann im Wind und im Westmond sein" (aus dem Gedicht "And death shall have no dominion").

Was sonst?

Die Journalistin und Autorin Elke Heidenreich war für ihr neues Buch auf Spurensuche in Cardiff und Umgebung - verfallene Fördertürme, Raffinerien. "Drink till late" steht auf vielen Schildern. Was sonst sollte man hier tun?

An Dylan Thomas' Kosmos können Leser verzweifeln. Zwar heißt es, John Lennon habe nur seinetwegen zu schreiben begonnen. Zwar sagt Bob Dylan selbst, seit er in Jugendjahren die Gedichte verschlungen habe, sei er bestrebt, Ähnliches zu schaffen. Zwar komponierte Igor Strawinsky 1954 anlässlich Dylan Thomas' Tod ein Stück, und Richard Burton wünschte sich, man möge zu seinem Begräbnis (1984) "Do not go gentle into that good night" vorlesen ...

"Geh nicht gelassen in die gute Nacht, / Brenn, Alter, rase, wenn die Dämmerung lauert; / Im Sterbelicht sei doppelt zornentfacht"

Aber es könnte auch die folgende Generation in ihm "etwas" finden - wenn sie sich Zeit zum Suchen nimmt. Elke Heidenreich bemüht sich, mit ihren zusammen getragenen Informationen und lyrischen Kostproben neue Leser zu gewinnen.

Dylan Thomas ist eine Naturgewalt. Nicht nur als Säufer und Dieb war er eine solche (um sich Alkohol leisten zu können; einmal nahm er einer Freundin die Nähmaschine weg). Vom "Teppich aus Farben, Wörtern, Assoziationen" spricht Heidenreich. Wörter faszinierten ihn, sein zusätzlicher Rausch. Da sprudelten falsche Wörter, die verwirren und den Sinn entstellen. Aber der Rhythmus passte; und es schmerzte.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]

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