Vorstadtkrokodile.
Roman von Max von der Grün (1976/2009,
Neuverfilmung).
Besprechung von Martina Schürmann in der
NRZ vom
26.03.2009:
"Vorstadtkrokodile": Zeitlose Bande
Die „Vorstadtkrokodile” sind wieder da: Regisseur
Christian Ditter hat Max von der Grüns Jugendbuchklassiker behutsam
aktualisiert. "Eine Geschichte vom Aufpassen", über Freundschaft und Mutproben,
die nicht immer so ausgehen wie erwartet.
Es ist schon Gepflogenheit, Jugendfilme mit einem Hightech-Arsenal auszustatten, das jedem Bondfilm zur Ehre gereichen würde. Da wird mit Supertechnik und Superhirn an Kriminalfällen getüftelt und auf Motormonstern herumgeheizt, die man aus US-Blockbustern zu kennen glaubt. Hannes, Olli, Kai und die anderen haben nicht mal ein Laptop. Ihnen reicht zum Banden-Dasein ein Skateboard, eine Digitalkamera und ein Fotohandy. Hannes, Olli und die anderen stammen eigentlich aus einer vergangenen Zeit, als Kinderfernsehen noch keine Rund-um-die-Uhr-Veranstaltung war und die schulfreie Zeit kein Verabredungskalender blockierte. Man nannte sie die „Vorstadtkrokodile”. Nun sind sie wieder da. Christian Ditter hat Max von der Grüns Buch-Bande mehr als 30 Jahre nach Erstveröffentlichung auf die Leinwand geholt. Ein erfreuliches Wiedersehen.
Minigolf und Schüler-VZ
„Eine Geschichte vom Aufpassen” hat von der Grün seinen inzwischen hunderttausendfach verkauften Kinderbuch-Klassiker 1977 genannt und es war damals auch ein Schreiben in eigener Sache. „Auch mein Sohn sitzt im Rollstuhl und muss oft warten, bis Nachbarjungen kommen und ihn abholen, zum Fußballplatz mitnehmen oder zum Minigolfplatz”, schrieb er damals im Vorwort. Nun hat der querschnittsgelähmte Kai, der im Film von „Killerpilze”-Schlagzeuger Fabian Halbig gespielt wird, heute wenigstens 158 Freunde bei Schüler-VZ und einen Computer, mit dem er mit Gleichgehandicapten chatten kann. Doch Ditter übertreibt es nicht mit der Aktualisierung. Seine Vorstadt-Krokos sind noch immer Kinder, die sich lieber auf dem Spielplatz rumtreiben als im virtuellen Raum. Wer dabei sein will, muss laufen, klettern, radeln können. Deshalb hat Kai im Rollstuhl ein Problem.
Dass Mutproben und Treuebeweise auch anders ausfallen können, ist eine der Kernbotschaften der Geschichte, bei der soziale Aspekte immer mitschwingen, ohne dass er als lahmer Erziehungsfilm daherkäme. Im Gegenteil: Mit rasanten Verfolgsfahrten und nächtlichen Observationen an der Ziegelfabrik bleibt man nicht hinter den gängigen Action-Erwartungen zurück.
Dortmund ist dabei immer noch ein ruppiges Pflaster mit einem Rest von Zechenruß und Büdchencharme, und die Krokodile sind eine handfeste Bande, deren Darsteller nicht so wirken, als ob sie drei „Jugend forscht”-Wettbewerbe und fünf Model-Shows gewonnen hätten, bevor sie hier mitmachen durften: Der pfundige Griechen-Junge Jorgo (Javidam Imani), der stotternde Peter (Robin Walter), der dicke Frank (David Hürten), der seinen Bruder als Dieb dingfest machen muss. Elvis (Nicolas Schinseck), der Nachwuchsrocker, Olli (Manuel Steitz), der Ober-Alligator und die kesse Maria (Leonie Tepe) mit ihrem Faible für Hannes (Nick Romeo Reimann). Auch die 40-Jährigen werden sie wiedererkennen, nur den Titelsong nicht. „Du hast das Zeug zum Superhelden”, heißt der heute. Klingt fast schon nach Bohlenbande. NRZ
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0309 LYRIKwelt © Neue Ruhr/Rhein Zeitung