Verzückte Distanzen von Monika Rinck, 2004, Zu Klampen

Verzückte Distanzen.
Gedichte von Monika Rinck (2004, Zu Klampen/Edition Postskriptum).
Besprechung von Rainer Stolz im tip Berlin Nr. 26/04:

Wundersame Diskurse zu Monika Rincks Lyrik-Debüt "Verzückte Distanzen"

Monika Rincks Lyrik, auf Berlins Bühnen schon lange zu hören, hat dank einer fein komponierten Auswahl im zu Klampen Verlag endlich den Buchmarkt erreicht. Von der Gestalt eines Lauts, vom Kreisen der Radsportler im Velodrom oder von einer ins Peinliche gleitenden Intellektuellen-Party erzählt sie in einer berückenden Mischung aus Pathos und Ironie, zudem in Rhythmen, denen Zauberkraft innewohnt. Mit dem narrativen Impuls einher geht ein Forschungsdrang, eine Lust an der Bewegung der Erkenntnis. Auf Zickzackkurs zwischen Imagination und Reflexion erweitert Rinck ihre Bildräume ins Metaphorische und bringt elementare Lebensfragen zum Schwingen. Momente der Trennung und der Intimität, Prozesse in Gruppen, Zustände der Schwere, der Schwebe oder der Sehnsucht sowie Erfahrungen der Natur als fremd-vertrautem Pendant offenbaren dabei auf originelle Weise ihr inneres Gefüge.

Essayistisch ist diese Lyrik, wenn aus einem magischen Tausch die Sprache wie neu, weil liebesbegabt, hervortritt: „wir opfern zuerst deine keuschheit, liebster / und erhalten als gabe die sprache dafür / erschöpft und gelöst liegen die körper / im schatten der rede“. Diskurse der eigenen Art finden statt, wenn aus Ziegen Schafe werden, die „an der bahn der differenz / entlang“ ziehen, und wenn aus den Schafen dann noch Zahlen werden: „mein bruder, / man staune, entdeckte schlicht, den natürlichen nistplatz der zahlen“.

Mag man auch nicht jeder Verstiegenheit folgen, das nimmt man gern in Kauf. Denn Rincks Gedichte leben von der Extravaganz, von einer meist wundervollen Verschrobenheit nicht nur im Ton und in der Bildsprache, sondern auch in der Bereicherung des lyrischen Vokabulars: „bitte nicht sagen, / »die nacht.« / sag doch lieber: »holding,« / und ich polymerisierte / meine seele in deine hinein“.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rainerstolz.de]

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