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Roman von Stieg Larsson (2009,
Heyne - Übertragung Wibke Kuhn).
Besprechung von Jens Dirksen aus der
NRZ vom
29.09.2009:
Der Legende nach spazierte Karl Stieg-Erland Larsson Ende des Jahres 2003 mit einem Packen von zweieinhalb Manuskripten in die Räume des Nordstedts-Verlags in Stockholm und ließ sie auf den Tisch fallen mit den Worten „So, jetzt kann Henning Mankell einpacken!” Mutig für einen, der sich schon zweimal eine Abfuhr eingehandelt hatte – bei einem anderen Verlag allerdings, wo man wahrscheinlich noch heute vor Wut in die Tischkante beißt. Denn nur wenige Jahre später ist Stieg Larsson, wie er sich als Krimi-Autor nannte, tatsächlich gefragter als Mankell. Er hat längst Abermillionen von Lesern in über 30 Ländern der Welt, die erste Verfilmung seiner Romane läuft in dieser Woche in unseren Kinos an, weitere sind in der Mache.
Das Tragische: Larsson hat nicht einmal die Anfänge seines Erfolgs erlebt – er starb schon im November 2004 mit gerade mal 50 an einem Herzinfarkt, der ihn, den Rastlosen, bei der Arbeit ereilte. Da war noch kein einziges Buch seiner Serie erschienen. Vielleicht hat er geahnt, dass er nicht mehr lange zu leben hat und stiefelte deshalb so nassforsch in den Verlag. Und ganz bestimmt sind es auch Gedanken wie diese, die den Erfolg seiner Bücher so außerordentlich beflügeln, der Tod umgibt sie wie eine mythische Aura.
Und jetzt streitet sich seine Witwe Eva Gabrielsson, schon zu Schulzeiten Larssons große Herzdame, mit seinem Vater und Bruder auf das Erbittertste um das immer größer werdende Erbe, dessen Umfang derzeit auf rund acht Millionen Euro geschätzt wird. Angeblich haben Vater und Bruder Larsson der Witwe Geld angeboten, sie soll abgelehnt haben, weil ihr die Summe zu niedrig war.
Sie und Stieg waren schließlich über die Hälfte ihres Lebens miteinander liiert – nur geheiratet haben sie eben nie. Er hatte Angst um sie. Als einer der weltweit führenden Experten für rechtsradikale Netzwerke und Verbindungen war er anschlagsrelevant; als Chefredakteur des Magazins „Expo”, das er selbst gegründet hatte, war er landesweit bekannt, ein hartnäckiger Gegner von allem, was nach Demokratiefeind und Rassismus roch. Besonders den schwedischen Rechtsradikalismus hatte er 1991 mit einem ganzen Buch ausgeleuchtet.
In Sachen Krimi aber war Larsson, der bis zu seinem achten Lebensjahr bei den Großeltern auf dem Dorf südlich des Polarkreises aufwuchs, ein Spätstarter. Nach dem Gymnasium stolperte er über diverse Aushilfsjobs zunächst in die grafische Abteilung einer schwedischen Nachrichtenagentur, schrieb aber auch da schon Artikel und Kritiken. Auch als Korrespondent für das britische „Searchlight”-Magazin, das sich ebenfalls dem Kampf gegen Rechts verschrieben hatte.
In Stockholm gibt es längst Führungen zu den Schauplätzen der drei Larsson-Krimis. Dass auch ein Grab zu diesen Führungen dazugehört, löst mehr als einen gewissen Schauder aus. Es ist Trauer um einen, der sich verkämpft hat.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
Leseprobe I Buchbestellung 1009 LYRIKwelt © Neue Ruhr/Rhein Zeitung