Unter die Räder von Peter Märkert, 2015, BrockmeyerUnter die Räder gekommen.
Kriminalroman von Peter Märkert (
2015, Brockmeyer Verlag).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt.de, November 2015:

Die Welt ist dabei, sich neu zu ordnen.
Dabei geht es nicht ohne Zerstörungen ab.

Der neue Kriminalroman von Peter Märkert „Unter die Räder gekommen“, der gerade im Bochumer Verlag Brockmeyer erschienen ist, hat mich beeindruckt und überzeugt.

Sein Autor, Jahrgang 1955, der als Bewährungshelfer in Bochum arbeitet, hat auch dank seiner tiefen Einblicke ins Straftätermilieu und ins Justizwesen einen kenntnisreichen und spannenden Roman geschrieben, bei dem, meiner Meinung nach, beim Lesen oft die eigentlichen Straftaten zugunsten der menschlichen Schicksale, sowohl die der Täter, als auch die der Verdächtigen und Opfer in den Hintergrund zu treten scheinen.

Denn, was man als Leser, stringent und komplex erzählt, über die Charaktere der Protagonisten, von ihren Verletzungen und Verunsicherungen, von ihren Prägungen, Einsichten, Hoffnungen und Gedanken erfährt, fasziniert und nimmt gefangen und vertieft und beeinflusst den Verlauf und die Sicht auf das Buch.

Von nichts kommt nichts, nimmt man als tiefe und prägende Erkenntnis mit und entfaltet Verständnis sowohl für die Umstände, durch die jemand als Opfer zum Täter werden kann bzw. als Täter zum Opfer.

Diese Einstellung des Autors, beide Seiten der Medaille erkennen und verstehen zu wollen und den Bösen nicht nur böse sein zu lassen und den Guten nicht nur gut, sondern auch nach dem Warum und Wieso zu fragen, gibt dem Roman eine Dimension, die weit über eine bloße Kriminalgeschichte hinaus weist und ihn ebenso fesselnd wie spektakulär macht.

Drei Jugendliche, die zum wiederholten Mal wegen räuberischer Erpressung vor Gericht stehen, bilden den Einstieg des Romans, der zunächst in der Ermordung eines von ihnen, Kristof Driesen, der in der Bochumer Altstadt erschossen wird, gipfelt.

Gibt es Zusammenhänge mit seinen Überfällen und Übergriffen? Oder den Zuständen und dem Streit in seiner Familie. Die Polizei  bzw. deren Kommissare des KK 11, u. a. Hauptkommissar Christian Kramer, vertrauen nicht nur ihrer Intuition, sondern erhoffen sich Unterstützung von Marie Marler, einer jungen, engagierten Bewährungshelferin, die Kristofs Freunde, Fabian Meisner und Timo Mitter betreut. Diese erfährt, was sie als studierte Sozialpädagogin längst vermutete und spürte, von einem zurückliegenden Missbrauch.

Sensibel und behutsam hat Peter Märkert dieses schlimme und heikle Thema zum Ausgangspunkt seines Kriminalromans „Unter die Räder gekommen“ gemacht. Er erzählt von Schuld und sich schuldig machen durch Verdrängung, Raffgier und Ignoranz.

Er erzählt von Polizeiarbeit und sozialen Konflikten und Herausforderungen im Bereich der Bewährungshilfe.

Er erzählt die Lebensgeschichten ganz unterschiedlicher Menschen einfühlsam, mitfühlend und berufen, von Abhängigkeiten, Lug und Betrug und wie das Eine manchmal unabänderlich ins Andere greift.

Es ist tröstlich und schön, dass sich trotz aller Verwerfungen im Verlauf des Romans auch eine Liebesgeschichte entspinnt, die hoffen lässt und zwar, wie sollte es anders sein, zwischen der Bewährungshelferin und dem Hauptkommissar, in meinen Augen ein versöhnlicher Aspekt dieser von traurigen Wahrheiten reichen Geschichte, die man nach der Lektüre, vermutlich gerade deswegen nicht einfach aus der Hand zu legen mag, um zum Alltag überzugehen. Denn dieser Roman spiegelt auch das Bild unserer heutigen Gesellschaft, ist also nicht nur Krimi, sondern auch ein entlarvendes Zeitdokument von besonderer Güte. Nicht alleine die Täter, auch wir Leser, fürchte ich, haben eine gewisse Mitschuld  einzugestehen und sollten das Buch deshalb allen Interessierten zur Lektüre verbindlich weiterempfehlen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

Leseprobe I Buchbestellung 1115 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Michael Starcke