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Und was wird
aus mir?
Roman von Doris
Dörrie (2007, Diogenes).
Besprechung von Maike Maibaum in der
NRZ vom
10.05.2007:
Trübsinn mit Schönheitsfehlern
In Doris Dörries "Und was wird aus
mir?" hilft nicht mal mehr der Griff zur Botoxspritze.
Vor 22 Jahren schrieb Doris Dörrie Filmgeschichte, weil sie mit "Männer" etwas Neues auf die Leinwand brachte: eine gelungene deutsche Komödie. Inzwischen sind Film und Fernsehen hierzulande so furchtbar lustig geworden, dass man es der Regisseurin und Autorin nicht verdenken kann, wenn sie zur Rolle rückwärts abdreht. In Doris Dörries neuem Roman sind die Deutschen wieder das, was sie mal waren: das Volk der Deppen und Depressiven. Auch Rainer, der Antiheld in "Und was machen wir jetzt", war als Regisseur angetreten, um das Filmgeschäft zu revolutionieren. In den 70ern fanden ihn die Amerikaner "very refreshing". Doch sein Stern ist verglüht. Der braungebrannte Deutsche hält sich mit einer Statistenrolle als Hitlers-Hundeführer über Wasser. Einmal im Jahr flackert Glamour im Leben des Loosers auf: Wenn Tochter Allegra, die bei der Ex-Frau in Deutschland lebt, ihn besucht, mietet Rainer einen Jaguar und eine Villa, glättet das Gesicht mit Botox und gaukelt dem Teenager den Star vor. Doch diesmal kommt der Besitzer der Villa vorzeitig zurück, Rainer schiebt die Tochter mit einer Ex-Freundin hektisch ab. Mit der abgetakelten Johanna startet Allegra in den amerikanischen Alptraum, streift Outlet-Stores, Beauty-Salons, landet im Yoga-Hotel, in dem die Seele geliftet wird. Soweit könnte man den Roadmovie-Roman als Satire auf den Jugendwahn konsumieren. Leider hat die Story irreparable Schönheitsfehler: depressive Züge. Johanna, die gescheiterte Schauspielerin, seziert ihren Verfall pausenlos in Großaufnahme und Zeitlupe. "Der Bauch ist weich geworden, schwabbelig, ebenso die Taille. Sport hilft nicht mehr äußerlich, nur noch innerlich." Als Gegendarstellung zum Hollywood-Glitzerpuder überkübelt Dörrie das Alter mit elendem Grau, bis sich jede Leserin über 32 mit einer Botoxspritze erdolchen möchte.
Zu viele Rigolettos
Der Trübsinn wird zur Tragödie geschminkt. Dörrie, die 2005 den "Rigoletto" in Bayern inszenierte, übernimmt das Thema in ihren Roman. Hier schimmert die große Erzählerin durch, die kunstvoll das Vater-Tochter-Drama in die moderne Handlung webt: Johanna zerbrach, weil ihr Vater einst die Familie verließ und verbockt als Requisiteurin bei der Rigoletto-Aufführung das Finale; Rainer ist ein Hollywood-Rigoletto, der Narr, der seine Tochter ins Unglück schickt.
Leider erliegt Dörrie dem amerikanischen Größenwahn und schickt weitere Rigolettos ins Rennen: Einen Vater, dessen Tochter am 11. September starb, und den Geist einer Tochter, die vor ihrem gefühlskalten Vater zu einem Pädophilen floh. Man mag dieses Leiden in XXL für große Oper halten - oder für eine Orgie der Qualen und Querelen, die inszeniert wirkt. Statt tragischer Verstrickung bleibt ein trauriges Durcheinander. (NRZ)
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
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