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Gedichte von Paul
Wühr (Ralf Stieber-Verlag).
Besprechung von Matthias
Kehle:
Tanzschrift
Der Karlsruher Literaturwissenschaftler Matthias Kußmann ist von Lyrik und
von schönen Büchern besessen. Zusammen mit dem Verleger Ralf Stieber und der
Galerie Knecht in Karlsruhe publiziert er eine bibliophile Reihe, in der (nach
Walter Helmut Fritz und Franz Bernhard) nun der zweite schmale Band erschienen
ist.
Paul Wühr, einer der wenigen eigenständigen Lyriker im deutschsprachigen Raum,
und der Münchner Künstler Hans Baschang stellten Kußmann jeweils 12 Gedichte
und Zeichnungen zur Verfügung. Die erotischen Texte Paul Wührs tanzen um das
Thema Fleischeslust, reißen mit raffinierten Zeilensprüngen das Thema an und
verlieren sich in Vieldeutigkeit. „Wer// weiß noch wie dein Leib mir
einmal/ gekrochen gekommen da schoben/ sich// sagt sie die Füße durch meinen/
Vers bis zur letzten Hebung wie/ aufgeflogen//....“ Hans Baschangs
Zeichnungen wirbeln parallel zu diesen lasziv-intelligenten und zugleich
selbstreflexiven Texten, spielen mit Rundungen und Spiegelungen an der Grenze
zwischen Konkretem und Abstraktem. Erotische Lyrik geht meist in die Binsen,
weil sie über Männer- oder Frauenphantasien nicht herauskommt. Paul Wührs
erotische Gedichte sind eine Klasse für sich und zugleich derb wie kaum eine
Macho-Phantasie: „Sie/ solle sich das gesagt sein/ lassen aus jedem ihrer//
Löcher habe er wieder/ eine Null gemacht in der // seine Wenigkeit wünsche/als
Penis zu// verschwinden auf noch/ einen Menschen// werde aus ihr heraus/sagt sie
gepfiffen.“
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.matthias-kehle.de]
Leseprobe I Buchbestellung 1101 LYRIKwelt © Matthias Kehle