Und die Nilpferde kochten in ihren Becken von William S. Burrouhgs und Jack Kerouac, 2010, Nagel&KimcheUnd die Nilpferde kochten in ihren Becken.
Roman von William S. Burrouhgs und Jack Kerouac (2010, Nagel&Kimche - Übertragung Michael Kellner).
Besprechung von Christian Schachinger aus Der Standard, Wien vom 3.3.2010:

Beat und Drogen und ein Mord
Gemeinsames Buch von William S. Burrouhgs und Jack Kerouac jetzt auf Deutsch

2008 erschien in den USA mit über 60-jähriger Verspätung ein Roman, um den sich beinahe ebenso lang Gerüchte bezüglich der an Hören- und Gründersagen nicht gerade armen "Beat Generation" der 1950er-Jahre rankten. William S. Burroughs und Jack Kerouac, neben Allen Ginsberg die Hauptprotagonisten dieser literarischen "Bewegung" , hatten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in New York tatsächlich ein gemeinsames Buch geschrieben. Dieses liegt nun unter dem Titel Und die Nilpferde kochten in ihren Becken erstmals in deutscher Übersetzung von Michael Kellner vor (Verlag Nagel & Kimche).

Damals noch völlig unbekannt und ohne vorherige Veröffentlichungen, gelang es dem damals 22-jährigen Studienabbrecher Jack Kerouac und dem 30-jährigen Harvard-Absolventen William S. Burroughs nicht, ihren im Original And The Hippos Were Boiled In Their Tanks betitelten Roman bei einem Verlag unterzubringen

Erst Jahre später wurde aufgrund von Kerouacs Erfolgen mit On The Road von 1957 und dem Skandal um Burroughs' Naked Lunch 1959 eine Veröffentlichung zwar angedacht - allerdings machten es die engen persönlichen Verstrickungen der Autoren mit den Protagonisten ihres auf Tatsachen beruhenden Romans unmöglich, an eine Veröffentlichung auch nur zu denken.

Der kapitelweise abwechselnd unter den Pseudonymen Will Dennison (Burroughs) und Mike Ryko (Kerouac) im Stile des Hard-boiled-Genres eines Raymond Chandler oder Dashiell Hammetts geschriebene Roman behandelt einen Mordfall im damaligen Freundeskreis der Autoren.

Am frühen Morgen des 14. August 1944 stach der 19-jährige Lucien Carr im Riverside Park, der als "Homosexuellentreffpunkt" bekannt war, seinen um 14 Jahre älteren Freund, den Literaturdozenten David Kammerer, nach einer Auseinandersetzung nieder. Der heterosexuelle Carr wusste sich der Nachstellungen Kammerers nicht mehr anders zu erwehren. Er nahm in Panik an, dass Kammerer tot sei. Er fesselte und beschwerte den Bewusstlosen mit Steinen und warf ihn in den Hudson River. Tags darauf wurde die Leiche gefunden. Carr stellte sich bald darauf. Die New Yorker Boulevardpresse hatte wochenlang eine genüsslich ausgeschlachtete, in der damaligen Zeit schön schmuddelig im Schwulenmilieu spielende Sensationsgeschichte.

Jazz als Lebensgefühl

Die Polizeiverhöre ergaben, dass der Täter Burroughs und Kerouac, seinen Freunden aus dem New Yorker Nachtleben der sich gerade abzeichnenden Beatnik-Bohème, die Tat vorher gestanden hatte, ohne dass die beiden dies zur Anzeige gebracht hätten. Bemerkenswert dabei: Burroughs kannte das Mordopfer schon seit den gemeinsamen Jugendtagen in St. Louis, Missouri. Und auch Burroughs hatte sich vehement um die Gunst des Jungen bemüht. Kerouac wanderte einige Zeit in Untersuchungshaft, weil er keine Kaution stellen konnte. Burroughs entzog sich der Strafverfolgung mithilfe seiner begüterten Eltern und eines Staranwalts.

Und die Nilpferde kochten in ihren Becken kann nicht als die große literarische Entdeckung gefeiert werden, als die sie nun verkauft wird. Dafür befanden sich die Autoren 1945 während der Niederschrift noch zu sehr in ihrer suchenden Phase.

Mit knapper, realistischer und sich dem Jazz als Lebensgefühl verdankender Sprache wird allerdings eine sich an Drogen, Verzweiflung und Eskapismus klammernde Gesellschaft von Außenseitern geschildert, die einige Jahre später zu ihrer literarischen Hochform aufliefen.

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