Ulysses.
Buch von James Joyce (2004, Suhrkamp, hrsg. von Dirk Vanderbeke - Übertragung Hans Wollschläger).
Besprechung von
Wolfgang Harms im Münchner Merkur, 15.06.2004:

Seit 80 Jahren ein Rätsel: "Ulysses"

James Joyces "Ulysses" gilt als eins der schwierigsten Werke der Weltliteratur: Über weite Strecken ein scheinbar ungeordneter Bewusstseinsstrom, ist der umfangreiche Text in Wahrheit kompakt gewebt aus Symbolen, Anspielungen und Zitaten, an denen Fans und Forscher seit 80 Jahren knobeln.

Oberflächlich betrachtet, beschreibt Joyce einen beliebigen Arbeitstag Blooms, seine Gänge durch die Stadt, seine Begegnungen, Gespräche, Eindrücke, Assoziationen. Dabei folgt er einer ausgetüftelten Architektur, deren Grundriss Homers "Odyssee" ist: Jede Station Blooms auf seinem Weg durch Dublin korrespondiert mit einer Episode der Irrfahrten des Odysseus (englisch: Ulysses) durch die archaische Mittelmeerwelt. Joyce kontrastiert das antike Helden-Epos mit den mehr oder weniger banalen Erlebnissen eines Dubliner Bürgers Anfang des 20. Jahrhunderts - die er dadurch zum "Weltalltag der Epoche" überhöht, wie Schriftsteller Hermann Broch urteilte.

Aber die "Odyssee" ist nur eine der vielen Bezugsebenen: Jedes Kapitel bedient sich seiner eigenen literarischen Technik und Symbolik; jedes ist einer anderen Kunst und einem anderen Organ des menschlichen Körpers gewidmet. Joyce rühmte sich, den Philologen Arbeit für Jahrhunderte hinterlassen zu haben. Allein dies hätte genügt, den "Ulysses" zum Kultbuch literarischer Rätselfreunde zu machen. Revolutionär war aber auch die präzise Protokollierung des oft nur aus halbbewussten Gedankenfetzen bestehenden inneren Monologs. In einer für seine Zeitgenossen schockierenden Weise mischte Joyce Erhabenes und Triviales, bisweilen Obszönes.

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