Tumbas.
Gräber von Dichtern und Denkern von Cees
Nooteboom (2005, SchirmerMosel, mit Photografien von Simone Sassen)
Besprechung von Inge Rau aus den Nürnberger
Nachrichten vom 8.11.2006:
Auf langer Reise zu den Toten
Begegnung mit dem Schriftsteller Cees Nooteboom bei „LesArt“
Beim fränkischen Literaturfest
„LesArt“ kann das Publikum dem prominenten holländischen Schriftsteller
Cees Nooteboom begegnen. Er war bereits in Schwabach und in Lauf zu Gast, tritt
heute (20 Uhr) in Ansbach auf und wird seine kleine Regional-Tour am 9. November
(20 Uhr) im Fürther Kulturforum beenden. Wir trafen Nooteboom am Rande der
Lesung in Lauf.
Nein, Interviews gibt er nicht, er ist müde und der Medien etwas überdrüssig.
„Es ist alles schon so oft gesagt worden, die Reporter kommen von Spanien aus
zu meinem Haus auf Menorca, um irgendetwas zu erfahren“, erklärt der
73-jährige Cees Nooteboom und ist vor dem späten Abendessen ohnedies nicht
ansprechbar. Er hat aus seinem jüngsten Roman „Paradies verloren“ gelesen,
Passagen mit feiner Lust am Fabulieren, immer drückt sich eine besondere Nähe
des Autors zu seinen Heldinnen aus. Die sind in Australien unterwegs, Alma und
Almut, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Dort begegnen ihnen
Engel . . .
Das Buch enthält auch das gallig-komische Porträt des Literaturkritikers Erik
Zondag, der sich zur Kur begibt, um dem Alkohol und üppigen Speisen
vorübergehend abzuschwören. Der Dichter Nooteboom liest das mit fröhlicher
Vehemenz, so, wie er später seinen Rotwein und die Pasta genießt. Die Provinz
weiß er zu schätzen, aber keineswegs vorschnelle Urteile über Länder, die
man als Tourist erlebt. Dazu war er zu lang und zu oft auf Reisen, kürzlich
erst mit dem Schriftsteller-Freund Rüdiger Safranski
in Argentinien und Chile. Neue Auslandstermine warten: Für die italienische
Ausgabe von „Paradies verloren“ und für die amerikanische.
Nooteboom beobachtet, wie wenig übersetzte Literatur inzwischen in die USA
kommt, kein gutes Zeichen. Er selbst ist ein internationaler Star, sein
Gesamtwerk liegt in acht Bänden bei Suhrkamp vor. Soeben brachte er mit seiner
Frau, der Fotografin Simone Sassen, einen Band über die Gräber von Dichtern
und Denkern heraus. Es ist ein etwas anderer Reisebericht mit sehr persönlichen
Texten über berühmte Tote, denen sich Nooteboom verbunden fühlt.
Das Ergebnis ihrer langen Tour wollte der Schriftsteller dem Publikum von „LesArt“
nicht vorenthalten. Nooteboom trug ein Kapitel über Walter Benjamin
vor, er erzählte, was man auf den Gräbern so findet: „Eine Flasche Absinth,
ein Handschuh, Parfüm, bei Beckett
zum Beispiel einen Thriller. Zeichen von Menschen“. Die Zeichen von Menschen
haben ihn immer interessiert, in den Wüsten Australiens und auf den Bahnhöfen
Berlins, einer Stadt, mit der Cees Nooteboom eine enge Beziehung pflegt.
Als nächstes fährt er hin — um eine Laudatio auf seinen Freund Safranski zu
halten.
[...diese und weitere
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