Der Domraub von peter Paul Zahl, dtv, 2002Tristanakkord.
Roman von Hans-Ulrich Treichel (2000, Suhrkamp).
Besprechung von Stephan Ramming aus der Wochenzeitung, Zürich, 17.2.2000:

Ein junger Emsländer, Georg Zimmer, hat soeben in Berlin seine literaturwissenschaftliche Magisterarbeit abgeschlossen. Just in die Recherchen für sein Promotionsthema fällt das verlockende Angebot des weltberühmten Komponisten Bergmann, dessen Memoiren zu redigieren. Zimmer fährt nach Schottland, New York und Sizilien und trifft durch die Begegnung mit dem Komponisten auf eine Welt, die dem frisch gebackenen Germanisten aus Büchern irgendwie bekannt ist, in der Realität nun aber ganz und gar merkwürdig und fremd erscheint. Aus dieser so einfachen wie wirkungsvollen Anordnung schöpft Hans-Ulrich Treichels neuer Roman «Tristanakkord» seine erzählerische Dynamik; hier der genialische Komponist, da der dilettierende Hobbylyriker, hier das mondäne Premierenambiente in New York, da der einfache Junge aus dem Emsland, hier die exzentrischen Marotten des Grosskünstlers, da Befremden wie Fasziniertheit beim Mitarbeiter von der Uni. Wenn Doktorand Zimmer Bergmann bei der Erörterung des «Weinproblems», dann des «Flügelproblems» und alsbald der «Jackettfrage» zuhört, liest sich das amüsant wie Thomas Bernhard light; die Gespräche Zimmers mit seinem Doktorvater über «Forschungsdesiderate» entblössen trefflich Wissenschafts-Sprech; und das Promotionsthema, «das Vergessen in der Literatur», rekurriert fein selbstironisch Treichels eigene Doktorarbeit über Wolfgang Koeppen, auf den mehrfach kennerisch angespielt wird. So ist im Ganzen «Tristanakkord» ein auf hohem Niveau unterhaltsamer Roman, dem allerdings die Brillanz des Vorgängers «Der Verlorene» (1998) abgeht. Erzählte «Der Verlorene» ähnlich leichtfüssig, aber um Längen eindrücklicher eine Jugend unter der stickig-paranoiden Glasglocke in einer deutschen Vertriebenenfamilie während der Nachkriegszeit, verhandelt «Tristanakkord» nun deutsche Kunst-, Künstler- und Kulturfragen in einer Weise, dass seine Leichtigkeit an jener Oberfläche des Kultur- und biografistisch eingefärbten Wissenschaftsbetriebes verbleibt, die der Roman eigentlich zu decouvrieren vorgibt. Denn die Einsicht, dass Künstler Marotten haben mögen, dass Unwägbarkeiten des Lebens einer Dissertation in die Quere geraten können oder über das Sein öfters der Schein entscheidet, ist auch dann ein bisschen wenig, wenn man auf eine vergnügte Lektüre zurückblickt

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in der www.woz.ch]

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