Träumer.
Erzählung von Carsten Probst (2001, Wagenbach).
Besprechung von Martin Krumbholz in Neue Zürcher Zeitung vom 15.11.2001:

Fragiles Gespinst
Carsten Probsts Début «Träumer»

Ich ist, wieder einmal, ein anderer. Im Prolog der Erzählung des 1966 in Hamburg geborenen Carsten Probst erschrickt das erzählende Ich «wie niemals zuvor in meinem Leben», es traut seinen Augen nicht, aber es bleibt dabei: Das Gesicht, das sich in der Glasfront des Irrenhauspavillons spiegelt, ist das des Freundes Bernhard. «Kein Vorwurf, kein Hass, vollkommen ausdruckslos. Der typische Bernhard-Blick. So sieht mich das Spiegelbild an.» Sind am Ende alle verrückt geworden?

Die Erzählung referiert die Vorgeschichte dieser eigenartigen Scheinmetamorphose. Die Konstruktion, die der Debütant Probst sich ausgedacht hat, in offensichtlicher Anlehnung an surrealistische Vorbilder, könnte spannend sein: Ein junger Mann ist in seinen fast autistischen Schulfreund vernarrt, einen hochmütigen Einzelgänger. «Das also ist Liebe (. . .), so fühlt es sich an», heisst es nach einem ersten Kuss; auf einer Frankreichreise zu zweit stellt sich heraus, dass Andreas, dem Ich-Erzähler, der Mut zum radikalen Aussenseitertum fehlt; ein Mädchen zerstört schliesslich die Männersymbiose: Lisa, Bernhards Schwester. Andreas möchte sich wohl in Lisa verlieben, aber es gelingt nicht so recht, denn trotz seiner «Gespinsthaftigkeit» oder seiner «Selbstvernebelung» bleibt Bernhard übermächtig. Am Ende trägt Andreas dazu bei, dass Bernhard in die Psychiatrie eingeliefert wird...Fortsetzung

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