Der Theatermacher von Thomas Bernhard, 1984, SuhrkampDer Theatermacher.
Theaterstück von Thomas Bernhard (2003, Ruhrfestspiele Recklinghausen).
Besprechung von Elisabeth Höving aus der WAZ vom 17.5.2003:

Von der hohen Philosophie bis zur Frittatensuppe
Thomas Bernhards „Der Theatermacher“

Zwischen Schweinegrunzen, Blutwursttag und lautstarken Blähungen will „Der Theatermacher“ sein „Das Rad der Geschichte“ aufführen. Das muss schief gehen. „Als ob ich’s geahnt hätte“, wird der Dichter am Ende resigniert sagen.

Das Thèâtre National du Luxembourg feierte mit Thomas Bernhards Tragikomödie rund um einen größenwahnsinnigen Künstler Premiere bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Die virtuose Inszenierung um Provinzpossen und Lebenslügen, voller skurriler Typen und schräger Töne besorgte Frank Hoffmann.

„Der Theatermacher“ ist ein Theaterredner. Bernhard schrieb ein bissiges Sprech-Spiel für einen Schauspieler mit Randfiguren. In der Luxemburger Version aber begeistern gerade die phantastisch besetzten Nebenrollen als pralle, clowneske Karikaturen. Obwohl sie kaum einen Ton von sich geben, lassen sie den in einem unendlichen Monolog schwandronierenden Andrè Jung als selbstverliebten Egomanen blass aussehen. Zumal Jung nach seiner Wahl zum Schauspieler des Jahres 2002 zur Zeit ein vielbeschäftigter Künstler, mit kleinen Versprechern zu kämpfen hatte.

Im „Schwarzen Hirschen“ trifft der vermeintlich große Theatermacher Bruscon mit seiner Frau und seinen beiden Kindern ein, um ein Gastspiel zu geben. Im Unterschied zur legendären Peymann-Inszenierung mit Traugott Buhre, die in einem düster-schlichten Ambiente stattfand, ist die Bühne von Jean Flammang ein bunter, windschiefer Saal, umgeben von Plastikschweinen, Kühen und Gänsen. Weniger ein metaphorischer denn ein realer Raum, in dem man den Mist zu riechen meint.

Andrè Jung lässt den Theatermacher changieren zwischen Komödie und Tragödie, zwischen böse und liebenswert. Sich aalend im Weltschmerz quatscht er alle gnadenlos zu, den Wirt vor allem (herrlich Thierry van Werveke), der mit stoischer Gelassenheit den Betrachtungen von der Philosophie bis zur Frittatensuppe lauscht. Auch wenn Bruscon die dicksten Phrasen drischt, seine Frau („Der einzige Reiz an dir ist dein Hustenreiz“) und Kinder tyrannisiert, wenn er mit der ganzen Welt hadert, erregt er Mitleid, wenn seine Aufführung alptraummäßig platzt.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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