Than von Thomas Lang, 2002, WagenbachThan.
Roman von Thomas Lang,
(2002, Wagenbach).
Besprechung von Philipp Catterfeld aus dem Münchner Merkur, 27.6.2002:

Stumm im Schnee
Thomas Langs Debütroman ''Than''

Zu Beginn seines Debütromans beschreibt Thomas Lang das Große im Kleinen - einen Bauhof auf einer von zwei bayerischen Insel: "Zwischen Stapeln mit Brettern und Steinen gibt es ein Lager für Sand und Splitt. Mit seinen Trennwänden aus Beton sieht es aus wie ein Bergmassiv. Der Platz davor ist vollständig vereist. An zwei Stellen kleine Erhebungen. Vorsichtig schlitternd gehe ich über das Eis, stolpere über eine der stumpfen Stellen und kann mich gerade noch fangen." Das "Ich" ist Than, der seine Geschichte erzählt. Mit den Inselbewohner redet er nicht, kann er nicht reden. Er ist stumm.

Eine sehr persönliche, exklusive Perspektive, die Thomas Lang da eröffnet. Aber sie nimmt den Inselbewohnern ihre Skurrilität. Man entwickelt Sympathie für die Töpferin Ursel, die ihre Implantate nicht mag, fürchtet sich vor dem brutalen Immobilienmakler Hofer, wenn er neben dem Lieblingsplatz des Helden - ein eiskaltes Plumpsklo - einer gewilderten Gams das Fell abzieht, und nimmt auch den kiffenden Zivi hin. Thans Erinnerungen an die Ex-Freundin enden oft abrupt in der Realität. Der Liebeskranke, ein Stummer im Schnee, leidet aufrichtig.

Als ein toter Junge im Eis gefunden wird und Than ein Mädchen davor bewahrt, in die Fahrrinne des Fährschiffs zu laufen, kommt es zwischen ihm und der Dorfgemeinschaft zu Missverständissen. Than erklärt sich nicht. Und die Einwohner neigen, gerade was Stadtmenschen mit einem Faible für Gänsehaut am Hintern betrifft, zu archaischen Ritualen.

Was Lang in seinem Debüt daraus macht, erinnert an David Lynchs Filme. Was zunächst ein metaphorisch überladener Krimi sein könnte, wird Schritt für Schritt zu einem knackenden Irrweg über eine tauende Eisschicht. "Am Abend hat der Schnee die Farbe einer Pfirsichcreme. Wie ein Fehlbelichtung. Noch ein Take, der in die Kiste fliegt zu den zahllosen verkorksten Szenen in meinem Leben", meint Than.

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