1.) - 2.)
Talk Talk.
Roman von T.
C. Boyle (2006, Hanser - Übertragung Dirk van Gunsteren).
Besprechung von Fitzgerald
Kusz in den Nürnberger
Nachrichten vom 14.8.2006:
Dem Dieb auf der Spur
T. C. Boyles neueste Lese-Droge heißt „Talk Talk“
[...diese und weitere
Besprechungen finden Sie unter
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Leseprobe I Buchbestellung 0806 LYRIKwelt © Nürnberger Nachrichten
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2.)
Talk Talk.
Roman von T.
C. Boyle (2006, Hanser - Übertragung Dirk van Gunsteren).
Besprechung von Ulrich Steinmetzger aus der NRZ vom 5.9.2006:
Boyle mit Beulen
An Kafka
verhoben: "Talk Talk" zeigt den großen T.C. in einer erstaunlichen
Formkrise.
Immer ist die Welt, in der gerade gelebt wird, die mo- dernste. Und immer ist es eine Aufgabe der Schriftsteller, die allgemeine Fortschrittseuphorie ein wenig zu dämpfen. Wie eine gigantische Erzählmanufaktur hat T. C. Boyle das bislang in zehn dicken Romanen getan. Die Leser folgten ihm bis ans Ende der Welt, ins ernährungsdiktatorische Sanatorium des John Harvey Kellogg, mit Stanley McCormick auf eine frauenfreie Festung, auf Hanffelder, in Hippiekommunen und unlängst erst durch die enthemmten Versuchsanordnungen des Sex-Doktors Alfred Kinsey. Die Leser folgten ihm gern, weil sie heftig unterhalten wurden und auch noch etwas Finsteres fürs Leben lernen durften. Nun gibt sich der Autor eine Steilvorlage, die er nicht erlaufen kann. Wie in einem Kafka-Roman sollte es zugehen im neuen Buch, das sein schwächstes geworden ist, weil fast nichts von dem zu finden ist, was Boyle so unnachahmlich machte. Nicht das reifenquietschende Tempo, nicht die ins Absurde gesteigerte Normalität, keine Figuren, die man ihm glaubt, keine Eskapaden des Absonderlichen, kaum diese wie aus dem Stand kommenden aberwitzigen Beschreibungen kleiner Dinge und schon gar kein Großesganzes, das normal beginnt, um sich ins finale Desaster zu steigern. Dabei waren Start und Zielvorgabe durchaus vielversprechend. Modernisierung heißt heute Modemisierung. Jeder ist rund um die Uhr mit jedem verkabelt. Alles wird ins Netz gespeist, doch Handys und Computer haben viele doppelte Böden. In den alles beherrschenden Maschinen ist die Identität des Einzelnen in Gefahr. Zumindest sofern sie aus Kontobewegungen, Versicherungspolicen, Leasingverträgen und anderen Lebensorganisationsformen besteht. Was passiert, wenn sich einer der Daten bemächtigt, mit ihnen jongliert, manipuliert und spekuliert, bis sie seine eigenen sind? Was, wenn sich alles verselbstständigt und der Gegner anonym bleibt? Was, wenn die gute alte Polizei vor soviel Neuem versagt, weil sie mit den traditionellen Serienmördern, Kinderschändern und Sadisten mehr als beschäftigt ist?
Ein Autor und seine Pappkameradin
Mit sehr viel Sendungsbewusstsein berichtet T. C. Boyle davon, wie eine von
einer solchen Welt im Stich gelassen wird und sich wie weiland Michael Kohlhaas
selber helfen muss. Dabei hat die unbescholtene Lehrerin und
Freizeitschriftstellerin Dr. Dana Halter eigentlich nur ein Stoppschild überfahren...
Doch ein Boyle in frappierender Formkrise macht sie zu einer gebeutelten
Pappkameradin, die er für seine Botschaften instrumentalisiert. Das ergibt ein
mächtiges Phantasie-Eindämmungsprogramm und also so ziemlich das exakte
Gegenteil zu allen seinen anderen Büchern. (NRZ)
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
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