Südraum
Leipzig.
Gedichte von Hans-Ulrich
Treichel (2007, Suhrkamp).
Besprechung von I.H. aus der Frankfurter Rundschau, 19.6.2007:
Ach, die Orte: Treichel dichtet noch
"Schreiben Sie eigentlich noch Gedichte?" heißt es in dem Gedichtband, den Hans-Ulrich Treichel - bekannt vor allem durch Romane ("Der Verlorene", "Tristanakkord") - jetzt vorgelegt hat. Der Ton des 55-Jährigen ist rührend-leichtfüßig und melancholisch-abgeklärt. Meist nehmen die Gedichte, die er also noch schreibt, ihren Ausgang bei Ortsnamen, heißen sie Harlem, Prag, Leipzig oder Berlin. Besonders die Berlin-Gedichte des seit Studienzeiten dortselbst lebenden Westfalen sind hinreißend. Eines heißt "An mich selbst" und endet mit mildem Spott; gegrüßt wird die Weddinger Vergangenheit aus dem bequemen Lankwitz. In "Berliner Rätsel" wundert er sich, dass etwas nicht stimmt: "Warum lächelt der Hauswart?/Habe ich etwa die Treppe gefegt./Habe ich etwa den Müll sortiert./Nein, habe ich nicht./Wieso wechselt der Busfahrer/(von der Zeitungsfrau gar nicht zu reden)/wortlos und ohne Gezeter zehn Euro?/Ein Bus ist schließlich keine Wechselstube!" Ach, Berlin.
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