Sucht mein Angesicht von John Updike, 2004, Rowohlt1.) - 3.)

Sucht mein Angesicht.
Roman von John Updike (2004, Rowohlt - Übertragung Maria Carlsson).
Besprechung von Jürgen Verdofsky aus der Frankfurter Rundschau, 23.2.2005:

Auf Wirkung verzichten: Das wäre Tod
In seinem neuen Roman "Sucht mein Angesicht" fragt John Updike auch nach der Dauer des Ruhms

In der Kunst stand die Malerin Hope Chafetz lange am Rande, im Leben als Frau großer Männer mittendrin. Sie ist Witwe zweier Monster der amerikanischen Moderne. Mit über fünfzig, immer noch Femme fatale, wird sie die Gattin des Sammlers der beiden. Die drei toten Männer werfen ihre Schatten. Mit der New Yorker Retrospektive zu ihrem achtzigsten Geburtstag in einem Jahr ist fest zu rechnen. Aber ganz sicher ist sich Hope nicht, mit ihren Valeurs in Grau, mit ihrer Minimal Art und nicht als Witwe der Giganten gemeint zu sein. So misstraut sie der jungen Kunsthistorikerin Kathryn, die "schwarz gekleidet, klappmessergleich" vor ihr sitzt. Diese will nur ihretwegen aus New York in das entlegene Haus in Vermont gekommen sein. Nach kurzer Schamfrist fallen Sätze, wie erwartet: "Wie die Bilder ihres ersten Mannes. (. . .) Attackiert von allen Seiten der Leinwand." Der erste Mann war Zack McCoy, Action Painter.

John Updike nennt auf den Vorsatzblättern seines Romans Sucht mein Angesicht nicht nur Psalm 27, der zum Titel führt, sondern auch zwei Quellen, Standardwerke über Jackson Pollock, An American Saga, und über den Abstrakten Expressionismus. Nie waren zitierte Quellen literarisch legitimer. Updike übergibt die Saga der amerikanischen Kunst dem ungehemmten Redefluss einer Frau. Sie liebt die krasse Wahrheit, ohne dass sie darauf schwört. Schnell wechselnde Bilder, Großaufnahmen, Überblendungen. Verschiedene Stile und Bewegungen, ganze Epochen mischen sich in fließender Gleichzeitigkeit. Updike besetzt auf der Königsebene der Kunst, der Effekt einer Wiedererkennung ist hoch und gewollt.

Zack McCoy, Hopes erster Mann, trägt Züge von Jackson Pollock, "Jack the Dripper". Um ihn tummelt sich die Clique der Abstrakten Expressionisten, das Charakterwort des Kritikers Robert Coates ist seit 1946 in der Welt. Hinter Bernie Nova und Onno de Genoog, Hopes zeitweiligem Geliebten, stecken die Maler Barnett Newman und Willem de Kooning, in Korgi ist Arshile Gorky zu erkennen. Die Brücke nach Europa schlägt der Emigrant Hans Hofmann, der im Roman als Hermann Hochmann für Hope zum Lehrer wird. Ein anderes Zeitalter führt Hopes zweiter Mann Guy ein. Als Pop-Art-Diva trägt er Züge von Andy Warhol, Claes Oldenburg und Jasper Johns. Damit Hope ihre große Rolle finden kann, stärken ihr nicht nur Pollocks Witwe Lee Krasner, sondern auch die leibhaftigen Malerinnen Agnes Martin und Helen Frankenthaler den Rücken. Updike öffnet Biographien, auch hier bleibt sein unendliches Thema die strapaziöse Wirklichkeit der Zweier-Beziehung. Aber die Kunst lässt er darüber nicht im Stich.

Ein Blick auf die Besetzungsliste lohnt, weil Updike einiges an Künstler-O-Ton zusammenträgt. Sätze wie "Die europäische Kunst nach Miró wurde geopfert für Künstler aus New York" stehen noch heute in der New York Review of Books. Aber Updike lässt den Kunstkritiker, der er auch sein kann, nicht über den Schriftsteller triumphieren. Alles bleibt ein Roman, nirgends stören Schlagwort und Attitüde. Auch die strengen Grenzen einer Interview-Dramaturgie sind bald vergessen, beide Frauen verstricken sich ungewollt. Sie belauern, umkreisen, umwerben sich, bis eine prekäre Beziehung entsteht und wieder verfliegt. Nach eigenem Bekenntnis gewinnt der 72-jährige Updike einen Teil seiner späten Wirklichkeitsnähe aus Erfahrungen mit Interviews. Wie keiner vor ihm schlägt er aus der ritualisierten Kulturtechnik literarischen Mehrwert.

Der Alltag der Genies

Hope und Kathryn "gewöhnen sich beide zu sehr an den Umgang miteinander. Sie sind wie Boxer, deren Reflexe in den letzten Runden nachlassen." Kathryn will mehr als nur Kunstgeschichte. Manche Nachfrage hat als Subtext: "Wollen Sie nicht etwas anderes sagen?" Kathryn wird Hope auch fragen, wie das so war mit dem Erfinder des Drip Painting im Bett. Habe sie nicht das zweite Genie in ihrem Leben, dieses ewige Wunderkind der Pop-Art, zum Hetero gemacht? Mit welchem aus der Liga der großen Namen hatte sie es noch? Große Namen sind erotisch, vor allem nachträglich. Wir sind im späten Alltag der amerikanischen Kunstgeschichte. Hope als Künstlerin, Muse, Geliebte oder auch nur als Überlebenshelferin, Hausputtchen, Mutter dreier Kinder. Von diesen Aufregungen will die Feuilletonistin nicht nur Nachricht, sondern Teilhabe. Hope hält manchmal inne, um nach einem inneren Monolog weiter zu sprudeln. Ein Leben lernt man kennen, indem man es erschafft, und sei es durch entfesseltes Reden, ungehemmtes Fragen. Zwei Frauen begegnen und erkennen sich. "Wie hübsch Sie waren.", sagt unvermittelt die Jüngere.

Auch Kathryn zeigt mehr als sie will. Ihre nachgetragene Zuwendung gehört Zack nicht nur als Maler. Da muss Hope, die Zack durch sein Künstler- und Trinker-Leben trug, deutlicher werden. Zacks Bilder werden zu Signalen für die Vierziger-, Fünfzigerjahre. Er ragt aus der Cedar-Tavern-Clique in New York, die heute als Kern der Abstrakten Expressionisten vereinfacht wird. Der Krieg tobt, jeden Tag sterben hunderte Amerikaner, aber "das, was zählte, war das Malen." Der Tod, den der Künstler fürchtet, ist ein anderer. "Auf Wirkung verzichten: das wäre ja Tod", bekennt in einer anderen Zeit und Welt der deutsche Expressionist Ferdinand Hardekopf.

Nicht die Malerei zieht Hope zu Zack, sondern sein Eros. Sie sieht sich als die Frau, die ihn aus den "Strapazen von Manhattan", aus den endlosen Sauftouren gerissen hat. Im letzten Winkel von Long Island wird ein verfallenes Haus gekauft: der vertraute Updike-Topos vom Leben auf einer entlegenen Farm. Hier ist das Ende der Welt, nur die Elemente zählen, hier wird Zack zum Erfinder des Drip Paintings. "Vor ihm hatte noch niemand solche Fähigkeiten beherrschen müssen. (...) Ich glaube, dass es das war, dies Kraftvolle, das ihm so viel Publicity eintrug und so anziehend auf die breite Masse wirkte: Solche Männer kannte man sonst nur aus dem Kino."

Was Künstler lieben

Auf den Film von Hans Namuth, dieses "herumkommandierenden Deutschen", folgt Ende der Vierzigerjahre der Ruhm mit Life. Ein Erfolg ist ein Erfolg, aber was siegt im Künstler? Zacks Erschütterung ist immer wieder neu, es wird niemals leichter. Erfolg bleibt ihm zweifelhaft. "Wenn Zack bereit gewesen wäre, sich in Amerikas fabelhafte Tropfmaschine zu verwandeln, wäre er nach 1950 nicht am Ende gewesen. Er hätte sich nicht umgebracht. Zack hat sich in seinem Verhalten wiederholt, nicht aber in seiner Malerei." Hope ist als Ehefrau gefangen. Als sie nach langer Unterbrechung wieder selbst malt, sagt der Künstler an ihrer Seite, sie "sei miserabel darin, jede Frau wär das." Hope malt aus Selbstachtung und fängt an, sich nach anderen Malern umzusehen.

Verschwiegen wird der enthusiastischen Kathryn fast nichts. Alles sei anders, wenn man nicht nur den gefeierten Künstler, sondern auch den Trinker zu ertragen hat. Zack ist, als er mit 43 an einem Baum endet, "der Maler seiner Generation geworden, Vollbringer und Symbol in einem, aber er war in seinem Dauersuff zuletzt ein so unflätiger Rüpel gewesen, dass auch seine Witwe ein bisschen stank." Für einen Zack gibt es bald bei Sotheby Millionen, er selbst kannte nie richtig Geld.

Zwei Jahre nach Zacks Tod tritt Guy in Hopes Leben. Neuer Kunstbegriff, neues Leben, neue Gelüste. Eine Leichtigkeit des Seins. "Diese helle jungenhafte Kreativität (. . .) strömte nur so dahin, Idee auf Idee, eine nach der andern, Einfälle, auf die niemand sonst jemals gekommen war, (. . .) bis etwa '74, kurz bevor er mich verließ, als seine Arbeiten bombastisch wurden und ihre Pop-Bescheidenheit verloren." Guy handelt nach den Grundsätzen der Wirkung. Der verführerische Experimentator will immer im Trend sein, wenn es sein muss mit Drogen und Pornos. "Das eine tun und das andere nicht lassen, das war Guy." Nur für Hopes Kunst bleibt wenig Freiheit, sie bekommt drei Kinder. Wieder liebt ein Künstler nichts als seine Kunst.

Der Sammler und Geschäftsmann Jerome Chafetz fängt auf. Endlich kein Genie, sondern Aufmerksamkeit und Zuwendung. Jerry kauft das Landhaus in Vermont, Hope kommt zu ihrer Kunst. Wie lange dauert der Ruhm? "Die Tragödie des modernen, oder sollten wir sagen, postmodernen Künstlers ist, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Öffentlichkeit um so vieles kürzer ist als sein normales schöpferisches Leben."

Während die literarische Ostküste sich Updikes 21. Roman, Villages, widmet, gibt der Autor deutschen Medien Interviews zum Angesicht: "Lange Sätze. Eine Art Pendant zu Jackson Pollocks ‚Drip'-Gemälden: Der Roman ist ‚Drip'-Literatur. Hope verbindet einen Gedanken mit dem anderen, ein Bild mit dem nächsten." Die Idee einer "Drip-Literatur" ist eine Anverwandlung. Hier ist nichts getröpfelt oder gespritzt, auch wenn Sätze endlos fließen. Alles wird ausgemalt, jeder Sessel hat seine Geschichte. Experimentell ist nichts, Updike ist nicht Pollock. Es ist ein Updike, wie wir ihn kennen. Er bleibt ein Meister des Atmosphärischen und der Situation. Man kommt diesen Fabelwesen der Moderne wirklich nah und wird nicht anders können als diese Kerle neu zu mögen. Nur der Finanzmagier und Sammler bleibt so menschenfreundlich wie austauschbar. Dieser Typ scheint in New York vorzukommen. Immerhin, es gibt das Amerika des John Updike.

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Sucht mein Angesicht von John Updike, 2004, Rowohlt2.)

Sucht mein Angesicht.
Roman von John Updike (2004, Rowohlt - Übertragung Maria Carlsson).
Besprechung von Birgit Ruf aus den Nürnberger Nachrichten vom 28.02.2005:

Im Schatten der Männer
Über Kunst: John Updikes „Sucht mein Angesicht“

Eigentlich kommt dieses Buch zu spät. Während des Berliner MoMA- Hypes im letzten Sommer wäre es ganz sicher zum Verkaufsschlager geworden, zum begehrten Zeitvertreib in der mega-langen Warteschlange vor der Neuen Nationalgalerie. Denn John Updikes neuestes Werk ist gewissermaßen der Roman zur Ausstellung, zeichnet in knapper Rahmenhandlung die Entwicklung der amerikanischen Malerei in den 40er Jahren nach, von den Anfängen des abstrakten Expressionismus mit dem „klecksenden“ Jackson Pollock als Leitfigur bis zur beginnenden Pop-Art.

Doch das Ganze ist kein trockener Grundkurs in Kunstgeschichte, sondern unterhaltsam verpackt in eine männerreiche Lebensgeschichte, die Hope Chafetz ihrer jungen Interviewerin Kathryn erzählt. Hope, selbst Künstlerin, mittlerweile 78, kannte sie alle, die Avantgardisten der amerikanischen Nachkriegsmalerei. In den vierziger Jahren kam sie nach New York, freundete sich mit der Clique an, die Kern des Abstrakten Expressionismus wurde und heiratete dessen berühmtesten Vertreter Zack McCoy.

„Es war reines Ich“

Während Hope eine fiktionale Figur ist, trägt ihr erster Ehemann unübersehbare Züge von Jackson Pollock (1912—1956), dem Erfinder des Action Painting, der auf Staffelei, Palette und Pinsel verzichtete und die flüssige Farbe mit Stöcken, Mauererkellen oder Messern auf die am Boden liegende Leinwand tropfte, schleuderte oder schnalzte. Anatomisch richtig zeichnen, mit Licht und Schatten arbeiten, das konnte Zack aus Sicht von Hope „ums Verrecken nicht“. Was ihn aber nicht daran hindert, zum Säulenheiligen der amerikanischen Nachkriegskunst zu werden: „Wir waren nicht so sehr am Handwerklichen interessiert, sondern vor allem daran, das Ich auf eine Leinwand zu bringen. Eben darum war abstraktes Malen so faszinierend, es war reines Ich“, erklärt Hope ihrer Gesprächspartnerin.

Der Übervater

Von den malenden Männern kommt Hope auch nach dem Unfalltod Zacks nicht los. Sie heiratet Guy, den Übervater der Pop-Art, eine fiktive Mischung aus Jasper Johns, Claes Oldenburg, Andy Warhol und Roy Lichtenstein. Ehemann Nummer zwei macht sich mit einer jungen Pferdepflegerin aus dem Staub, und Hope tröstet sich mit Ehemann Nummer drei, der der Kunst nur als Sammler verbunden ist. Das hat für Hope den Vorteil, dass sie endlich einmal nicht künstlerisch im Schatten berühmter Gatten steht und sich wieder mehr ihrer eigenen Malerei (in monochromem Grau) widmen kann.

Der ehrgeizigen Journalistin, die sie an einem Regentag im Jahr 2002 in ihrem Haus in Vermont besucht, berichtet Hope aber nicht nur von den Maltechniken und Kunsttheorien ihrer Männer, sondern auch über deren menschliche Schwächen und sexuelle Vorlieben. Die Ehe mit Zack wird durch dessen Alkoholsucht zusehends schwieriger. „Seine Natur war zu schwach für den Erfolg“, glaubt Hope im Nachhinein. Nicht alles erzählt sie ganz freiweillig, manches aber auch aus Provokation, anderes verschweigt sie aus Trotz der selbstsicheren Business-Frau, nicht aber dem Leser. Ganz nebenbei führen die beiden Figuren noch exemplarisch vor, mit welchen Problemen das weibliche Geschlecht ihrer Generation zu kämpfen hat.

Einen ganzen Tag dauert das Gespräch, das wechselweise Verhör, Lamento, Geständnis, belanglose Plauderei, Selbstdarstellung, Provokation oder Beichte ist: 300 Seiten ohne jegliche Kapiteleinteilung, mit langen, oft mühsam zu lesenden Sätzen, die einer Art unablässigem Bewusstseinsstrom gleichen. Die Rollen der Frauen verschieben sich in diesem eindringlichen „Kammerspiel“ immer wieder um Nuancen, ohne sich in eine bestimmte Richtung festzulegen. Sie nehmen die Haltung von (Groß)Mutter und (Enkel)Tochter ein, von Freundinnen oder misstrauischen Rivalinnen.

Klug komponiert

Man muss kein Kunsthistoriker sein, um diesen Roman wertzuschätzen. Updike, der als junger Mann an der Ruskin School of Drawing and Painting in London studiert hat, liefert verständlich, informativ und zuweilen unter Nennung der realen Namen die kunsthistorische Basis, die zum Verständnis der Hope’schen Lebensgeschichte wichtig ist. Anhand der Werkbeschreibungen lassen sich die Fantasienamen im Roman von Kennern der Szene leicht den realen Malern zuordnen.

Ein Buch wie ein gutes Bild: Vielschichtig, klug komponiert, hochartifizell und fesselnd.

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Sucht mein Angesicht von John Updike, 2004, Rowohlt3.)

Sucht mein Angesicht.
Roman von John Updike (2004, Rowohlt - Übertragung Maria Carlsson).
Besprechung von Christine Diller aus dem Münchner Merkur, 12.4.2005:

Leidenschaft und Narzissmus
Der neue Roman von John Updike

316 Seiten, ein Tag. Und nicht einmal das. Eigentlich sind es nur rund zehn Stunden, die der Leser in John Updikes neuem Roman "Sucht mein Angesicht" mit einer alten Frau verbringt. Zugleich hat er fast an ihrem gesamten Leben teil. Eine einfache, aber doch bisweilen etwas lähmend wirkende Konstruktion hat der Autor seinem Buch zugrunde gelegt, um die Biografie einer Künstlerin und damit einen Abriss amerikanischer Nachkriegs-Kunstgeschichte zu schreiben: Hope Chafetz, fast 80 Jahre alt, wird in ihrem Haus und Atelier in Vermont von der jungen Kunsthistorikern Kathryn interviewt.

So ist dieses Buch das Protokoll eines langen Gesprächs, inklusive seiner Pausen und Hopes unausgesprochenen Gedanken. Und die erzählen vor allem etwas über diese kurze, zweckorientierte Beziehung zwischen ihr und der Interviewerin: Die beiden mögen sich nicht. So sehr die eine die andere bewundert und beneidet - um eine bewegte Vergangenheit oder eine noch formbare Gegenwart.

Hope hat es im Alter als Malerin schließlich selbst zu großer Berühmtheit gebracht. Besonders interessant aber ist sie für die Journalistin als Ehefrau und Geliebte wichtiger Persönlichkeiten der amerikanischen Kunstszene. Denn nach einigen Affären mit ihren Lehrern ist Hope die Ehefrau des selbstzerstörerischen Zack McCoy geworden: Galionsfigur des abstrakten Expressionismus in Amerika. Hope, ihr Privatleben und damit auch ihre Männer sind zwar fiktiv. Aber zum Teil hat ihnen Updike Züge wirklicher Kunst-Ikonen gegeben. Zack etwa gleicht Jackson Pollock, der bei einem Autounfall ums Leben kommt.

Nach seinem Tod heiratet sie Guy Holloway, Star der Pop-Art und hier ein Homunculus aus verschiedenen realen Figuren: Er erinnert - mit seinen Raster-Comics, seinen Happenings, seinem Kommunen-ähnlichen Atelier "Hospice" - an Roy Liechtenstein, Robert Rauschenberg und Andy Warhol. Als Guy seine Frau eines Tages mit drei Kindern zurücklässt, beginnt sie wieder selbst zu malen.

Appell an die Nachwelt

Ohne dramatische Höhepunkte, Spannungsaufbau oder gestalterische Finessen plätschert das Gespräch dahin. Updike, der selbst einmal Kunst studierte, hat mit "Sucht mein Angesicht" ein unkonkretes, großflächiges Bild gemalt: von einer Frau, wie es sie gegeben haben könnte. Die aber, fast konturlos, sich im Hintergrund dieser amerikanischen Kunstgeschichte aufzulösen scheint. "Sucht mein Angesicht" könnte ihr Appell an die Nachwelt sein, der sie, ein wenig widerstrebend, dieses Interview hinterlässt.

Gesucht wird aber auch durch ihre Erzählung das Angesicht dieser mehr oder weniger erfolgreich malenden Männer. Und in Anlehnung an den 27. Psalm der Bibel meint "Sucht mein Angesicht" vielleicht das schöpferische Streben aller Künstler, deren Leidenschaft und Narzissmus sich in diesem Buch so schön spiegeln.

Interesse für die Kunst, für die Weltwahrnehmung durch das farbempfindlichen Auge des Malers muss der Leser schon mitbringen, um dieser schleppenden Erzählung etwas abgewinnen zu können. Die feine Darstellung der Natureindrücke, die Hope während dieses Tages durch das Fenster gewinnt, ihre Gabe, mit den Fühlern ihrer geschulten Sinne die Atmosphäre zu ertasten, trösten über allzu umständlich rekapitulierte Kunsttheorie hinweg. Aber nicht über diese merkwürdig unangenehme Zweisamkeit der beiden Gesprächspartnerinnen.

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