Hartmuth und Laura Brinkmann.
Briefwechsel mit Theodor Storm (1986, Erich Schmidt Verlag, hrsg. von August Stahl).
Besprechung von Elisabeth Höving aus der WAZ vom 3.11.1986:

Storm und seine Zeit

„Ich selber werde alt, was ich an meinem äußerst leeren Kopfe spüre.“ Schwermütig und resigniert endete der letzte erhaltene Brief Theodor Storms an seinen langjährigen Freund Hartmuth Brinkmann. Sein literarisches Schaffen strafte den niedergeschlagenen Poeten Lügen: Denn zehn Jahre nach diesem Brief schrieb er seine Deichsaga „Der Schimmelreiter“. Aus der Fülle des Herzens und des Geistes und nie aus einem „leeren Kopfe“ heraus schuf der große Sohn Husums, der „grauen Stadt am Meer“, Zeit seines Lebens. Einen neuen Einblick in die Stormsche Biographie, in die Welt des Dichters und Familienvaters, in die des Kritikers und angepassten Zeitgenossen gibt der neue Briefband „Theodor Storm – Hartmuth und Laura Brinkmann“ (August Stahl, Erich Schmidt Verlag), der erstmals den vollständigen Briefwechsel zwischen den beiden Juristen wiedergibt.

Für Stormfreunde bietet der Band neue und aufschlussreiche Einblicke in das bürgerliche Leben des Literaten. Stormtochter und -biographin Gertrud hatte 1913 der Öffentlichkeit nur einen „gesäuberten“ Ausschnitt aus den erhaltenen 66 Briefen an Brinkmann zur Verfügung gestellt. Allzu Privates und Politisches war ihrer Zensur zum Opfer gefallen. Jetzt erfährt der Leser Genaueres über die Unzufriedenheit des Dichters mit seinem Beruf als Richter und über seine großen Geldsorgen aufgrund des geringen Einkommens.

Als interessant nicht nur für Stormkenner erweisen sich die feinfühligen und ehrlichen Bekenntnisse des Dichters über sein Verhältnis zu den beiden wichtigen Frauengestalten seines Lebens, zu seiner ersten Frau Constanze und zu seiner Jugendliebe und späteren zweiten Frau Dorothea.

Die Briefe leisten wegen ihrer offenen Diskussion über Dichtung, Politik und Gesellschaftsleben einen Beitrag zum Verständnis der Zeit- und Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts, bieten aber auch entspannende Lesestunden.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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