Stimmen aus dem harten Kern.
Gedichte von Ursula Krechel (2005, Jung und Jung).
Besprechung
von Fritz Popp aus Rezensionen-online *bn*, 2005:

Lyrische Innenansicht des Krieges. (DL)

12 mal 12 Gedichte zu je 12 Verszeilen bilden diesen Zyklus, eine Art kritische lyrische Heeresberichterstattung durch die letzten 3.000 Jahre. Es sind vornehmlich namenlose Stimmen, die kriegerische Handlungen begründen, ideologisch untermauern, aber auch Stimmen der Opfer, emotionale und desillusionierte. Kriegsmaschinerie, Ideologie, Taktik, Faszination und Realität - es räsonieren Begeisterte, Desillusionierte, Be- und Getroffene. In allen Stadien wird der Krieg thematisiert: von der Rechtfertigung und Invasion, über Kampf, Feindkontakt, Erstarrung, Frieden bis zur Rückkehr in eine Art Normalität. Technik und Mythos, Lebenslust und Todesideologie, Humanität und Hass, Explosion, Entladung und Enthemmung prallen aufeinander. Zwei Kapitel sind namentlich genannten Personen gewidmet: Lord Byron, der den Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken unterstützte und 1824 am Sumpffieber starb, und dem mythologischen Helden Philoktet, dem Verwundeten, ohne den der Sieg im Trojanischen Krieg nicht zu haben ist.

Ein faszinierendes lyrisches Sprach-Panorama des Krieges, das konzentrierte, verdichtete, höchst assoziative Bilder bereit hält. Für Bibliotheken mit Schwerpunkt Lyrik und sprachbewusste LeserInnen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter WOZ Die Literaturdatenbank des Österreichischen BibliotheksWerks-Medium]

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