Sommerhaus
mit Swimmingpool.
Roman von Herman Koch
(2011, Kiepenheuer & Witsch - Übertragung Christiane Kuby).
Besprechung von Sibylle Raudies in der WAZ
vom 20.1.2012:
Ein Halbgott mit Flecken auf dem Kittel
Mit seinem Buch „Sommerhaus mit Swimmingpool“ gelingt Herman
Koch ein Thriller, der fesselt und amüsiert. Ein selbstgefälliger Arzt vermutet
hinter einem seiner Patienten, einem berühmten Schauspieler, den Vergewaltiger
seiner Tochter.
Ein Hausarzt, der sich vor den Körpern seiner Patienten ekelt, aber sich gleichwohl sehr viel Zeit für sie nimmt: Dass Marc Schlosser kein normaler Hausarzt ist, erschließt sich dem Leser sofort. Dass er seinen Heilauftrag nur bedingt ernst nimmt, ebenfalls. Wie menschenverachtend, subtil und bösartig dieser vor allem von Prominenten und Künstlern mit Hang zum Alkohol- und/oder Fettmissbrauch hoch geschätzte Mediziner denkt und arbeitet, dafür braucht der Niederländer Herman Koch in seinem zweiten Roman „Sommerhaus mit Swimmingpool“ allerdings schon ein paar Seiten.
Seiten, die sich ausgesprochen vergnüglich verschlingen lassen, literarischer Genuss inklusive. Der Genuss ist allerdings immer wieder eingeschränkt durch das schlechte Gewissen des Lesers, der solche Gedanken amüsant findet. Doch im Laufe des Buches wird die Augenbraue sich beim Lesen immer öfter verwundert und auch angewidert hochziehen.
Der Hausarzt Marc Schlosser ist liebender Vater zweier halbwüchsiger Töchter; auch wenn diese ihm den ersehnten Sohn nie werden ersetzen können. „Jeder Mann wünscht sich einen Sohn“, glaubt Marc. Zwar ist der Doktor ein liebender Gatte. Dennoch versucht er mit allen Mitteln, eine Affäre mit der Frau seines Patienten Ralph, eines Schauspielers, einzufädeln. Ralph seinerseits zieht Frauen mit den Augen aus – auch Marcs Gattin. Zu dessen Leidwesen.
Das Leben des selbstgefälligen Doktors wendet sich, als seine 14-jährige Tochter Julia vergewaltigt wird. Der Papa glaubt, dass Ralph dahintersteckt, obwohl das zeitlich kaum möglich scheint. Doch Töchterlein schweigt beharrlich, zieht sich in sich zurück, und natürlich lässt Papa keinen fremden Doktor an sie heran. Ralph bleibt indes Marcs Patient. Mit fatalen Folgen, da Marc im wahrsten Sinne den Halbgott in Weiß spielt und den vermeintlichen Kinderschänder dem Tode weiht.
Ähnlich wie Herman Kochs erster Erfolgsroman „Angerichtet“ ist dieses Buch im Grunde genommen ein Familienthriller, subtil, böse und mit erschreckend realistischen Zügen.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]
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