Solange
ihr Knie wippt.
Gedichte von Brigitte
Fuchs (2002, edition8).
Besprechung von Annette
Gonserowski für für die Rezensionen-Welt,
07/2003:
Es gibt viele Gründe, Lyrik zu schreiben. Eine der Wichtigsten ist Lyrik zu lieben.
Dass Brigitte Fuchs Lyrik liebt, steht außer Frage. Schlägt man ihr Buch "solange ihr Knie wippt" auf, wird man begrüßt mit dem Zitat Ernst Blochs: "Der Traum vom menschlich Gemässen ist nirgens zage", dem das Gedicht "Das Konstruieren von Atmosphäre" von William Carlos Williams folgt.
Den Gedichten Williams sind die Gedichte der
mehrfachen Literaturpreisträgerin verwandt. Wie er schafft sie es, Atmosphären
einzufangen, sie in scheinbar nebensächlichen Augenblicken zu sammeln und in
einer lockeren Gedichtform zu einem homogenen Gebilde zu formen.
Nicht selten schreibt sie ohne Punkt und Koma, verzichtet auf
Zeilenumbrüche und Satzenden, zwingt den Leser schon beim Lesen sich mit dem
Gedicht auseinander zu setzen. Gerade diese Form beeindruckt, macht atemlos beim
Lesen.
Mir gefallen ihre Gedichte, die in einer scheinbaren Spontanität geschrieben zu
sein scheinen. Dass diese Einschätzung falsch ist, sie im Gegenteil bestens
durchdacht sind, zeigen nicht nur die oft überraschenden Gedichtendungen.
Die Wirkung ihrer Gedichte ist ihr bekannt, denn im Gedicht "Himmel.
Nochmal" gibt sie ein Verständnis ihres Schreibens bekannt: ".. Lege
Gedichte aus. Leimruten. Schlingen."
Ich gehe diesen Gedichten gerne auf den Leim, sie faszinieren mich. Es ist ein
Buch von einer Dichterin für Dichter geschrieben, denn hier finden sie sich
wieder, finden eine Legimitation für ihre Kunst, z.B. im Gedicht
"Blickfang": ".... Und wer soll uns hindern auf Blickfang zu
gehen. Beute zu machen zwischen hereinfallenden Streifen aus Farbe und
Licht?".
Aber dieses Buch nur den Dichtern zu widmen, hieße ihm nicht gerecht werden. Ihre Gedicht erfrischen den Lesenden, wirken befreiend, fast tröstlich, wenn sie schreibt:
Destination
Die Flucht nach vorne drückt uns sanft
in die Polster beruhigend zu wissen
dass unsere Berfürchtungen
zusammengefaltet in bruchfesten
Schalenkoffern liegen im Frachtraum
stapeln sie sich zu kopflastigen Bergen
während uns über den Wolken die
seltsame Gewissheit beflügelt wir werden
woanders ankommen und die auf uns
warten werden uns in die Arme schließen.
Es stimmt zwar, wenn sie an anderer Stelle
schreibt: " es ist möglich ohne Lyrik zu leben", aber ohne Lyrik
wäre das Leben ein wenig trister, ein wenig schwerer, ein wenig kälter und
ohne diese Gedichte ein wenig leerer. So möchte man sie gerne ermutigen, ebenso
wie im Gedicht Um es nicht zu vergessen "ihre Lippen
aufzuwerfen" und weiter ihre Lyrik zu schreiben.
Ein Buch, das ich sehr gerne empfehle.
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