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4.)
Slam.
Roman von Nick
Hornby (2007, Kiepenheuer & Witsch - Übertragung Clara Drechsler
und Harald Hellmann).
Besprechung von Roland Mischke in den Nürnberger
Nachrichten vom 28.01.2008:
Ein leidenschaftlicher Skater wird erwachsen
Zwischen Traum und harter Realität: Nick
Hornbys neuer Roman «Slam» hat ein unerwartetes Happy End
Ein leidenschaftlicher junger
Skater ist der Held in Nick Hornbys soeben erschienenem Roman «Slam»
Fußball war seine Welt, das lockere Leben umtriebiger und sich herumtreibender
Männer, moderne Liebesbeziehungen und das Trinken und Blödeln mit Freunden im
Pub. Nun aber ist der 50-jährige Nick Hornby in «Slam» (Knall) vom Jungen im
Mann zum Jungen selbst übergegangen. Der heißt Sam, ist 15 und im totalen
Hormonrausch. Er wohnt bei seiner alleinerziehenden, noch sehr jungen Mutter und
hat trotz Intelligenz mit Schule und Ausbildung nichts am Hut, und trotz
passablen Aussehens auch nichts mit der weiblichen Welt. In seinem Hirn nistet
nur eine Leidenschaft, das Skaten.
So schnell, so gut, so raffiniert möchte er auf dem rollenden Brett werden wie
sein Vorbild, die Skater-Ikone Tony Hawk. Dessen Biografie kann er auswendig
herunterbeten, dessen Poster bedecken seine Jugendzimmerwände, und mit ihm
unterhält er sich, wenn er ihn anschaut. Eine Pubertät zum Träumen und zum
Fürchten: Nicht ein realer Mensch, ein Idol ist der prägende
Gesprächspartner. Ihm erzählt der Halbwüchsige, was ihn bewegt. Er fleht um
noch mehr Begabung an, es entwickelt sich eine Beziehung wie in einer geheimen
Bruderschaft.
Verliebt in Alicia
Bis es Sams Mutter zu viel wird. Sie schleppt den Sohn auf eine Party, macht ihn
mit Alicia bekannt, die gerade ihrem Freund den Laufpass gegeben hat, weil der
sie zu früh zum Beischlaf nötigen wollte. Zarte Verliebtheit keimt zwischen
Sam und Alicia auf, sanft und unbeholfen ist der Sex, für beide das erste Mal,
und der darauf folgende Wunsch nach emotionaler Verschmelzung.
Doch Sam ist rasch ernüchtert, er hat eine Mission, will der beste Skater der
Welt werden. Die Liebe war überwältigend, mit der Gier des Jungen, mit seiner
Passion groß und berühmt zu werden, kann sie nicht mithalten. «Ein schönes
Mädchen will mit dir schlafen, und du bist gelangweilt? Wie kann das
passieren?» grübelt Sam. Da ist er längst wieder bei seinen Jungs auf dem
Straßenparcours, lässt sein Brett krachen, versucht sich an Sprüngen und
Kapriolen, gibt sich cool. Schnell stellt sich heraus: Alicia ist schwanger.
Sam versackt erst in Melancholie, dann in Depression. Seine Mutter, die ihn im
Alter von 16 Jahren zur Welt brachte, tröstet ihn, doch das erreicht ihn nicht.
Das werdende Kind bedroht sein Leben, seine Identität, die erhoffte Karriere.
Er wird verstockt, die Gefühle für Alicia zerstieben als sei der Wind
hineingefahren, er will keine Verantwortung übernehmen.
Sam gerät in Panik, setzt sich ab in eine Kleinstadt, versenkt sein Handy im
Meer, um unerreichbar zu sein. Kehrt später reumütig zurück, stellt sich. Gar
nicht heldenhaft, sondern linkisch, betroffen. Seine Fantasie ist hochtourig und
gaukelt ihm vor, wie er bald Windeln wechselt, den Kinderwagen schiebt und mit
Alicia in deren kleinen Zimmer bei ihren spießigen Eltern hockt....
Die vollständige Besprechung von Roland Mischke finden Sie unter Nürnberger Nachrichten
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2.)
Slam.
Roman von Nick
Hornby (2007, Kiepenheuer & Witsch - Übertragung Clara Drechsler
und Harald Hellmann).
Besprechung von Gudrun Norbisrath in der WAZ
vom 29.1.2008:
Leben in der Halfpipe
Nick Hornby hat ein paar tolle Bücher geschrieben, aber das jüngste haut einen
um. Es macht ziemlich glücklich, fast wie ein blöder Trivialroman, aber man muss
sich nicht schämen, wenn man nach Seite 301 noch eine Weile dasitzt und lächelt,
das Buch im Schoß. Denn Nick Hornby erzählt eine alte, furchtbare Geschichte neu
und so, dass man Mut bekommt, weil die coolen Kids zwar nicht besser und nicht
schlechter sind als ihre Eltern, aber ein bisschen weiter vorgerückt in der
Weltzeit, also weiser; und freier. Er erzählt von Sam und Alicia, die ein Baby
kriegen, obwohl sie selbst fast noch Kinder sind, er erzählt die Geschichte vom
Erwachsenwerden ohne Bitterkeit: ernst und melancholisch, moralisch,
verzweifelt, witzig, liebevoll und verrückt.
Erinnert Sie das jetzt an was? Angenommen, Sie sind nicht ganz so jung wie Sam
und Alicia, dann kennen Sie vielleicht Holden Caulfield. Den Fänger im Roggen.
Wenn man nicht genau wüsste, dass dieses Buch von Nick Hornby ist, dann könnte
man glauben, J. D. Salinger hätte sich
aufgerafft und doch noch mal einen Roman geschrieben. Verblüfft liest man die
ersten Sätze: Das ist er, dieser rauzärtliche, hilflos trotzige Ton, das ist
Holden, den die Pubertät fast zerschreddert. Die Probleme sind dieselben wie vor
50 Jahren, allerdings hätte Holden nie gesagt: Wir hatten Sex. Er hatte keinen,
und eine Freundin hatte er auch nicht. Eben.
Das ist Sam. Er ist 15, Schüler, Skater; das vor allem. Bevor er auf Wichtigeres
zu sprechen kommt, erklärt er mit umständlichem Eifer, dass Skater keine Faxen
auf dem Eis machen, sondern in der Halfpipe unterwegs sind. Und dass er sein
Leben mit Tony Hawk teilt, einem Starskater, dessen Autobiografie er 40- oder
50-mal gelesen hat. Immer, wenn er eine Frage hat, lässt er Tony mit einem
allgemein verträglichen Zitat aus seinem Buch antworten. Das ist meistens banal,
aber das ist das Leben schließlich auch.
Sam wird ungewollt Vater, und er ist ein ungewollter Sohn. Seine Mutter ist 32
und Sam lebt in dem Bewusstsein, dass er ihr Leben vermasselt hat. Nicht das
seines Vaters, der hat sich beizeiten verpisst. Sam liebt seinen Sohn mit
unendlicher Umsicht, aber er weiß, dass dieses Kind seine Jugend bleischwer
machen wird. Er hat Angst vor der Zukunft, weil er keine hat.
Sam erzählt, und deshalb gibt es kein einziges falsches Wort in diesem Buch.
Keine Sentimentalitäten. Er erzählt von Alicia und vom ersten Reden, vom
Anlehnen und Anfassen. Vom Sex. Ohne überflüssige Einzelheiten. Von rauschhafter
Verliebtheit, vom sich Verlieren. "Wir atmeten beide den anderen ganz tief ein."
Und von der allmählichen Rückkehr des Alltags. Das Skaten wird wieder wichtig,
und dann kommt der Anruf. Alicia, jetzt schon die Exfreundin, ist schwanger, und
Sam denkt nach, voller Angst. "Ich hasse die Zeit, sie macht nie, was man will."
Solche Sätze sind über das Buch verteilt wie Landminen.
Ebenso die Sätze über die Klassengegensätze. Sams Dad ist Klempner und voll
Misstrauen gegenüber Leuten, die Bücher lesen. Alicias Vater trägt einen
Ohrstecker und ist Professor, und er ist gestrichen voll mit Vorurteilen
gegenüber Leuten, die nicht auf dem College waren oder seiner Meinung nach nicht
dahin gehören. Also Sam. Als Alicia und er beichten, dass ein Kind kommt, muss
der Professor nur kurz über Sams junge Mutter nachdenken, dann sagt er den
arroganten Satz: "Werden Leute wie ihr denn nie klug?" Er weiß nicht, dass es
seine behütete Tochter war, die Sam überredet hat, das Kondom wegzulassen, und
er verschwendet keinen Gedanken daran, dass es vor allem dieser viel weniger
behütete Junge ist, dem das Baby kaum den Hauch einer Chance lässt.
Es wird dann alles erst ziemlich furchtbar und später nicht mehr ganz so
schlimm, aber das ist das Schöne: dass nichts ausgelassen ist, weder so noch so.
"Slam" ist ein warmes Buch, es enthält wunderbare Sätze über die Liebe. Und es
ist ein herrlich verrücktes Buch, denn es spielt und lässt alles zu, Fantasie
und Magie, Gesellschaftskritik, Psychologie und Lebensklugheit. Es wandert
zwischen Wirklichkeit und Traum, Leben und Wünschen und Müssen und Versagen, und
wenn gar nichts mehr geht, schickt das Schicksal Sam einen Traum, der die
Zukunft zeigt. Und, sieh mal, da gibt es nicht nur kotzende Babys, sondern auch
neue Freundinnen und neue Pflichten.
Das Leben halt. Genau das macht das Buch zum Lächeln schön.
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3.)
Slam.
Roman von Nick
Hornby (2007, Kiepenheuer & Witsch - Übertragung Clara Drechsler
und Harald Hellmann).
Besprechung von
Matthias Maruhn in der NRZ vom 26.3.2008:
Von Rotzlöffeln und Skater-Göttern
Kann das gutgehen, wenn sich ein
50-jähriger Erfolgs-Autor mit der Gedankenwelt eines 15-jährigen Rotzlöffels
beschäftigt? Es kann, wenn der Mann Nick Hornby heißt und über ebensoviel
Einfühlungsvermögen wie Erzähltalent verfügt.
Etwa ab Seite 45 ist es um den Leser geschehen. Dann ist er drin im Leben von
Sam, dem Jungen, freut sich auf den Flirt mit Alicia, dem traumhaft schönen
Mädchen, erinnert sich selbst an diese ersten Dates, die damals noch Verabredung
hießen. Dann erlebt er mit Sam die süßsauren Minuten beim allerersten Sex, um
sich sogleich mit dem Jungen mächtig Gedanken darüber zu machen, ob der Pariser
auch gehalten hat, was die Packung versprach. Erstaunlich, wie schnell man alte
Ängste im Keller wiederfindet, wenn einer das Licht anknipst.
Für Humor sind die Alten zuständig
In Sams Bücherleben geht die ganze Sache schief, und fortan dreht sich im neuen
Buch vom alten Hornby alles um das Thema ungewollte Schwangerschaft. Das
behandelt der Autor einerseits mit sehr viel Ernst, einem schönen Ernst, der
seine prinzipielle Liebe zum Leben deutlich macht. Zum anderen auch mit Humor,
für den sind die Alten im Buch zuständig. Also zunächst mal Sams Mum, die selbst
mit 16 Mutter wurde und jetzt ins Rechnen und Grübeln gerät. "Ich werde
Großmutter und bin fünf Jahre jünger als Jennifer Aniston." Jammer. Sams Papa -
natürlich sind die Eltern geschieden - nimmt's sportlich: "Hey, dann kann mein
Enkelkind den Opa vielleicht noch live auf dem Fußballplatz erleben." Toll.
Hornby kennt uns Pappenheimer eben einfach ziemlich gut.
Sam nimmt's hingegen gar nicht leicht. Er haut ab, er kommt zurück, er will
Alicia nicht allein lassen, kann sie aber auch andererseits kaum noch ertragen.
Er spricht viel mit dem Poster von Skater-Legende Tony Hawk, das über seinem
Bett hängt.
Eigentlich, so verriet Hornby im Interview, hätte er, großer Fan des FC Arsenal
("Fever Pitch"), zunächst einen Fußballspieler als Idol nehmen wollen. Dann sei
ihm aber aufgefallen, dass junge Kicker nicht mehr recht zum Vorbild taugen. Die
seien einfach nicht mehr cool genug, sondern nur noch junge Schnösel mit dicken
Konten und Karren. So ein Skate-Gott habe da eindeutig mehr Verehrungs-Potential
zu bieten.
Slam, so heißt das Buch, so heißt in der Skater-Sprache auch ein fetter Sturz,
ist wohl nicht das beste Buch von Nick Hornby. Aber es ist ein gutes. Man kann
es den Kumpels zum 50. genausogut verschenken wie den Kindern der Kumpels zum
15.. Überhaupt hat Slam absolut das Potenzial, den Literaturunterricht an
Europas Schulen etwas geländegängiger zu machen.
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4.)
Slam.
Roman von Nick
Hornby (2007, Kiepenheuer & Witsch - Übertragung Clara Drechsler
und Harald Hellmann).
Besprechung von Jobst-Ulrich Brand aus dem FOCUS,
04/2008:
Raus aus der Halfpipe
In Nick Hornbys neuem Roman erlebt ein junger Skater
seinen GAU – den Sturz in den Alltag
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