Skandinavische
Lyrik.
Anthologie von Wilhelm
Friese (2003, Francke Verlag).
Besprechung von Paul Alfred
Kleinert, Berlin-Kreuzberg II, 2006:
Herausgegeben von einem Altmeister der Skandinavistik in Deutschland, Wilhelm Friese, sind zwei Anthologien der skandinavischen Lyrik der Barockzeit im Francke Verlag (Tübingen und Basel, 1999/ 2003) erschienen, die, erstmals im deutschen Sprachraum, den Interessierten eine größere Textauswahl der großen Poeten des Nordens aus dem 17. Jahrhundert samt Übersetzungen des Herausgebers zugänglich machen.
Im ersten Band der Sammlung finden sich Texte solch’ bedeutender Dichter wie Georg Stiernhielm (Schweden, 1598 – 1672), Hallgrímur Pétursson (Island, 1614 – 1674), Petter Dass (Norwegen, 1647 – 1707) und Thomas Kingo (Dänemark, 1634 – 1703), deren
Texte Trink-, Klage-
und geistliche Lieder ebenso, wie Sinnsprüche und Rückgriffe auf klassisch
Mythisches aufweisen.
Nach dem großen poetischen Viergestirn des Nordens hält der zweite Band der Anthologie Texte vierzehn weiterer Dichter und dreier Dichterinnen des 17ten Jahrhunderts vor, die, in unseren Breiten weniger bekannt, für den jeweiligen Sprachraum Gültiges hervorbrachten. Neben den im ersten Band aufklingenden Themen kommen hier zudem Liebeslieder, Alltagsgeschehen und Auszüge biblischer Schöpfungsepen zu Wort. Eine Forschungsübersicht zum „Barock in Nordeuropa“ findet sich im Ausgang des Bandes, informative bio- bibliographische Hinweise des Herausgebers beschließen diesen wie den ersten Band.
Die Einmaligkeit der
Textsammlung, die Auswahl und deren sorgfältige Übersetzungen (wenngleich
nicht in metrisch gebundener Sprache) zeigen die jahrzehntelange Befassung des
Herausgebers mit dem Gegenstande (der unterzeichnete Rezensent las
schon als
Student den 1968 ebenfalls bei Francke herausgekommenen Band
„Nordische Barockdichtung“ mit gutem Gewinn), die Aufmachung der Bücher
(Fadenheftung, Festeinband, bilinguale Textseiten in direkter Gegenüberstellung)
die ebenfalls jahrzehntelang andauernde Verbundenheit von Herausgeber und
Verlag, die sich wohltuend auf die Edition ausgewirkt hat.
Es bleibt an dieser Stelle, der ausgesprochen gelungenen Edition Glück bei der Leserschaft zu wünschen und festzuhalten, daß mit dem Erscheinen der Bände begonnen wurde, ein über 300 Jahre bestehendes Desiderat zu schließen.
Leseprobe I Buchbestellung 0206
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