Siegfried und Krimhild.
Roman von Jürgen Lodemann (2002, Klett-Cotta).
Besprechung von Joachim Wortmann in der Stuttgarter Zeitung vom 22.4.2002:

Von Treue und Verrat
Jürgen Lodemanns Nibelungen-Roman "Siegfried und Krimhild"

‚‚Uns ist in alten maeren wunders vil geseit . . .’’ Wer kennt sie nicht, die Eingangsverse des Nibelungenliedes in der überlieferten mittelhochdeutschen Fassung? Nur, wer liest dieses gewaltige Epos noch, das erratisch aus uralten Zeiten herüberragt? Versunkenes Kulturgut, allenfalls Lektüre von mehr oder minder geneigten Germanisten. Stoff für die Gegenwart? Literatur für die Ewigkeit? Die Nibelungenwelt ist nicht mehr unsere Welt - ein Fall für Spezialisten. Eigentlich. Aber da war ja noch ein gewisser Richard Wagner, der dem Ganzen seine Version abgerungen hat. Der Bayreuther Meister hat gezeigt, dass in der Saga um Siegfried und Brünhild, um Gunther und Krimhild, um Wotan und Alberich, um Hagen und all die anderen, wie immer man ihre Namen schreibt, etwas steckt, was über das Abgelebte hinausreicht. Allein, das ist Oper.

ürgen Lodemann versucht, das Ganze für die Literatur zurückzugewinnen. Zwanzig Jahre lang hat sich der Schriftsteller um diese Herzenssache bemüht, eine Kostprobe seiner Anstrengungen bereits 1994 präsentiert. Jetzt wartet er bei Klett-Cotta sozusagen mit einem Opus magnum auf, dem Roman ‚‚Siegfried und Krimhild’’. Die Fiktion geht so: Der als potenzieller Aufrührer und Siegfried-Freund inhaftierte Giselher, der junge Bruder des Burgunderkönigs Gunther, schreibt in seiner Zelle die Geschichte des Xantener Helden auf: wie der Königsspross den Drachen besiegt, das Rheingold erobert, auf Island die schlafende Brünhild erweckt, nach Worms zieht, in Liebe zu Krimhild entbrennt, wie er weiterhin Brünhild für Gunther erobert, dem Neid verfällt und schließlich von Hagen umgebracht wird.

##Giselher übergibt das Manuskript seinem Freund, dem irischen Mönch Kilian, der den Text ins Keltische überträgt, um ihn der Nachwelt zu sichern. Dessen Übersetzung fällt im neunzehnten Jahrhundert einem John Schazman in die Hände, der wiederum eine englische Fassung erstellt. Und exakt die offeriert nun Lodemann dem Publikum auf Deutsch mit vielerlei hochgelahrten und in Rot abgesetzten Anmerkungen. Fortsetzung

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.stuttgarter-zeitung.de]

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