Siebenachtel Leben von Klaus Märkert, 2013, PopSiebenachtel Leben.
Lyrik von Klaus Martens (
2013, Pop Verlag).
Besprechung von Michael Starcke für Rezensionenwelt.de, November 2013:

Die Musik wartet in Dir
Mancher wird sich vielleicht schon einmal gefragt haben, was das für Männer sind, die Gedichte schreiben, wofür, wozu und wohin, Männer wie Klaus Martens zum Beispiel, der gerade im Pop Verlag, Ludwigsburg, einen sorgfältig editierten Gedichtband mit dem Titel „Siebenachtel Leben“ veröffentlicht hat?

Ja, was sind das für Männer, die „dieses verzweifelt einzige Leben“ in Worte bringen, der Poesie verfallen, neugierig und verletzbar, wehmütig, aber nicht sentimental, prophetisch, „übervoll mit Sehnsucht“? Allgemein gültige Antworten wird es auf diese Frage nicht geben. Bei Klaus Martens habe ich sie zumindest im Ansatz gefunden.

„Ich mag die Schwierigen“, formuliert er … “die Unverhältnismäßigen/ in Liebe und Arbeit, / die innerlich Reisenden/“… die Geduldigen wider Willen.“

In seinen Gedichten erzählt der Dichter von diesen innerlichen und äußerlichen Reisen in die Welt der Wirklichkeit und die der Dichtung, was nicht immer unterschieden werden kann und beim Stand der „Siebenachtel“-Lebensreise, wie ich denke, auch gar nicht unbedingt unterschieden werden muss.

„In mir, dem Erinnerungsfeld“ zieht der Dichter Bilanz, ohne  damit einen endgültigen Strich unter sein Leben und seine Lebensleistung ziehen zu wollen.

Mit wissendem Humor blickt er zurück mit der Gabe vorausschauender Prophezeiung, wie sie ihm gegeben ist, als Voraus- und Nachhut sozusagen, denn erst fällt ihm etwas auf und dann etwas ein, „bis eine/ kleine Flamme steigt und Wörter wärmt, / die willig sich zusammenschließen.“ Sein Buch, in fünf Kapitel unterteilt, reflektiert die ganz eigene und besondere Art des Dichters, die unermessliche Fülle der Lebenswirklichkeit, seiner Erfahrung und seines enormen Wissens in den unterschiedlichen Gebilden seiner Gedichte anzusiedeln und aneinanderzureihen, z. B. zu einem „La vie èpistolaire“.

Wir lesen Reiseberichte, seine Lieblingsländer USA und Schweden betreffend, wir dürfen Zeuge seiner Naturbeobachtungen und –beschreibungen sein, die, meines Erachtens, zu den schönsten zählen, die man in deutscher Sprache lesen kann, wir begegnen mit ihm den Kollegen, der Zunft der Schreiber, von denen er nicht wenige dem deutschen Publikum mit Hilfe seiner kongenialen Übersetzungen bekannt gemacht hat, wir tauchen mit ihm in seine Kindheit ein, erfahren seine Überlegungen zum Entstehen von Dichtung und seiner Arbeit daran, lesen vom Gelingen und Misslingen, sehen mit ihm „Durch den Filter“, verschlingen seine Gedanken über seinen Begriff von Liebesgedichten:

„Alle Gedichte sind Lieblingsgedichte/ oder könnten es sein, / wenn die Welt voller Liebe wäre/und nicht voller Teufel.“

Wir merken, da ist einer von uns, „so wie wir tanzen“, der das „Tiefblauamt“ erfindet und den Papst in „Herrscher“ charakterisiert, wie wir uns es bisher nicht vorstellen konnten, der die Zeit nach einer Katastrophe in „Nachspiel als Theater“ wie kein anderer formulieren kann und den angemessenen Ton dem Tod gegenüber findet, emphatisch und ohne Larmoyanz in „Quäntchen Asche“: „Hier nun gestauchte/ Jahre, kompakt gepackt, // fühlbar der entglühte Leib.“

Niemand hat mir bisher den Begriff L-y-r-i-k- näherbringen können wie er: „Du musst nur das Verschlusswort sagen, / den Code, das umgekehrte Sesam.“

Und selten hat mich ein Gedicht mehr berührt als „Komm wieder“: „Dein Zug fährt langsam, / aber viel zu schnell fort, / bald bist du dort, wo du wohnst - / so ist es wohl gut, muss wohl so sein, / wir bleiben zurück, nein, / nicht allein, doch ohne dich./ Komm wieder, wann immer du kannst, / komm wieder, mein Kind, / dorthin, wo wir sind, komm wieder.“

Klaus Martens neuer Gedichtband „Siebenachtel Leben“ ist ein sehr persönliches Buch, das den Leser mitnimmt, dessen Neugier sich in Staunen wandelt, der an seinem Mitgefühl erkennt, wie wenig abgehoben der Dichter ist und mitten im Leben, dem er konzentriert, manchmal fast beschwingt und heiter flüsternd, mit den Mitteln seiner Begabung, Sprache, Formulierungskunst und Musikalität, ein Denkmal des Erkennens baut, das ihm so leicht keiner nachmacht, ganz nach seinem Motto: „wer sich was traut, also du, / pflanzt und beschneidet.“

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

Leseprobe I Buchbestellung 1113 LYRIKwelt - das LiteraturPortal im Internet! © Michael Starcke