Selbst das Testament ging verloren.
Gedichte von Maruša
Krese (2001, Edition Korrespondenzen - Übertragung Klaus Detlef Olof).
Besprechung von Ilma Rakusa in Neue Züricher Zeitung vom
1.11.2001:
Während grosse Verlage mehr und mehr das Risiko scheuen, sogenannte schwierige Literatur zu veröffentlichen, und auf Mainstream, sprich Gutverkäufliches, setzen, entstehen Nischenverlage, deren Ehrgeiz just darin besteht, sich um Entlegenes, Untrendiges zu kümmern. Zu einer dieser löblichen Neugründungen gehört die Edition Korrespondenzen des Wieners Franz Hammerbacher, der schon mit seinem ersten Programm hohe inhaltliche und gestalterische Qualität beweist und ein klares Verlagsprofil erkennen lässt. Zu entdecken sind hier poetische Texte im besten Sinne des Wortes: von Judith Herzberg, Kurt Drawert, Franz Weinzettl, vor allem aber von Dichtern aus Ostmitteleuropa, die sich im deutschen Sprachraum erst wenig Gehör verschaffen konnten.
Ein ähnliches Understatement kennzeichnet die Gedichte der slowenischen, seit vielen Jahren in Berlin lebenden Lyrikerin und Rundfunk-Essayistin Marua Krese (Jahrgang 1947), im deutschen Sprachraum bekannt geworden durch den Poesieband «Gestern. Heute. Morgen» und mehrere Features, darunter «Von der Bora verweht. Ljubljana - Beograd - Sarajevo». Seit ihrem humanitären Engagement im Bosnienkrieg, das ihr 1997 das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland eintrug, umkreist Krese auch lyrisch die Themen Krieg, Zerstörung, Wahnsinn, als deren Chiffre Sarajewo erscheint....Fortsetzung
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