Selbstbezichtigung: Mord! Die seltsam-schizophrenen Träume des Zeno Hanuman.
SF-Roman von Alfred Müller-Felsenburg (2007, Schardt Verlag).
Besprechung von Kirsten Niesler in der Westfalenpost, 1.1.2008:

Sein letztes Buch hebt sich in Thema, Stil und Genre deutlich ab von allen bisherigen Veröffentlichungen des Schriftstellers Alfred Müller-Felsenburg.
Ende November erschien der Titel „Selbstbezichtigung Mord!” Nur einen Monat später, am 29. Dezember, verstarb der Autor. Die WP sprach noch wenige Tage vor seinem Tode mit Alfred Müller-Felsenburg über dieses Werk, das er selbst als „literarische Essenz” seines Lebens betrachtete.

In den Roman „Selbstbezichtigung Mord!” hat der Autor mitunter - auch augenzwinkernd - Autobiographisches gelegt. So ist die Hauptfigur - Affengott Hanuman - er steht für die animalische Ursprünglichkeit des Menschen - wie der Autor am 26. Dezember 1926 zur Welt gekommen. Auch das Äußere Hanumans trifft auf den Autoren zu.

Es ist nicht „Hanumans” erstes Leben. Er hat schon viele Leben gelebt und reist nun in seine Vergangenheit zurück, bis er dem alttestamentarischen Gesetzesgeber Moses wiederbegegnet. Verfolgt wird „Hanuman” von Kommissar Tempora, einem Agenten der „Interuniversellen Union”, denn es geht um das Gleichgewicht der Welt. Oder die Balance zwischen Trieb und Vernunft.

Auf der Zeitreise „Hanumans” begegnen dem Leser biblische Gestalten, Figuren der Weltreligionen und Mythologien. Es ist ein vielschichtig ineinander verwobenes, ja verwirrendes Geschehen, retardiert durch philosophischen Passagen. Vielschichtig wie der Handlungsfaden sind die Stilmittel, derer sich der Autor bedient: Krimi, Lyrik, Zeitreise, Science Fiction, Essay, Sex. Ein bewusst verwirrend angelegtes Buch, das Konzentration erfordert und sich nicht unbedingt als Bettlektüre eignet.

WP: Was ist der Kern Ihrer Geschichte vom hinduistischen Affenkönig „Hanuman„?

Alfred Müller-Felsenburg: „Hanuman” steht für den Menschen auf seiner Ursprungsstufe mit den dunklen, animalischen Stufen von Kampf, Gier, Sex. Eine Hanuman-Maske aus Kokosnuss hat mich inspiriert, sie ist bedrohlich und hässlich. Doch aus diesen dunklen Seiten erwächst auch Leben. Es geht darum, Tod und Leben, Animalität und Nächstenliebe in Einklang zu bringen. „Hanuman” hat das Gebot ehelicher Treue übertreten, ihn plagen Schuldgefühle. Der Druck der Religionen, Kirchen, Kulturen lastet auf ihm. Es geht um die Balance. Was wir als Christen mit den Kreuzzeugen im Mittelalter gemacht haben. Wer macht es heute? Es gibt die, die es immer noch nicht verstehen. Immer sind es wenige, die die Menschen ins Dunkle stürzen.

WP: Im Buch geht es um die Große Mutter oder „Muschel”. Auf der Suche nach ihr verzehrt sich der Affenkönig in Begierde, Lust und Schuldgefühlen, bis er fürs erste daran zerbricht. Ist Ihr Buch ein Plädoyer für das Matriarchat?

Müller-Felsenburg:  Es ist ein Plädoyer für das Hinterfragen dessen, was wir tun. Ich greife Themen auf, die im öffentlichen Leben abseits gestellt sind. Wie Adam und Eva. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass das Weibliche zuerst war.

WP: Sie kritisieren deutlich die Kirche.

Müller-Felsenburg: Ja. Zölibat, keine Priesterinnen, generelles Nein zur Abtreibung. Wer weiß denn, wie eine Frau in diese Bedrängnis gekommen ist? Meine Meinung zur Kirche ist: „Was wisst ihr denn von Sünde? Euer Hochmut ist Sünde.”

WP: Mit welchem Gefühl soll der Leser das Buch aus der Hand legen?

Müller-Felsenburg: Er soll sich hinterfragen, versuchen, sich selbst in den Griff zu bekommen. Seine Angst überwinden, denn ohne das Animalische könnte kein neues Leben entstehen.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in der WESTFALENPOST]

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