Seerosenteich von Wieland Förster, 2012, SandsteiunSeerosenteich.
Autobiographie einer Jugend in Dresden 1930-46 von Wieland Förster (20
12, Sandstein Verlag).
Besprechung von Paul Alfred Kleinert, Berlin-Kreuzberg,
für die LYRIKwelt.de, X/2012:

Jahre einer Kindheit und beginnenden Jugend in Laubegast und Dresden in den 1930er und ’40er Jahren: ein Altmeister der deutschen Bildhauerkunst, Wieland Förster (Jahrgang 1930), legt seine Kindheitserinnerungen vor.

Das Buch, gegliedert in zwei die „Die Vorstadt“ und „Die Stadt“ benannte Teile, ist in der Form zweier aufeinander bezogener Sonaten aufgebaut; jeder Teil enthält vier Sätze (Kapitel) in entsprechender Durchführung. Befasst sich der erste Teil v.a. mit dem erstaunlich eigenständigen Aufwachsen eines Knaben in dunkler Zeit, führen die Beschreibungen des zweiten Teils in eine ahnungsvolle Jugend, deren eigenständiges Werden doch in hohem Maße von den politischen Ereignissen der Zeit tangiert (und bedroht) wurde.

Die starke innere Abgeschiedenheit, das Kreisen um Eigenprozesse und das häusliche Gewähren Lassen des weitgehend vaterlos aufgewachsenen Jungen bergen wohl die Anlage der damaligen (und späteren) Ideologieresistenz Försters, ein in diesen Zeiten nicht häufig anzutreffendes Phänomen.

Sätze der Eigenwahrnehmung wie „Obwohl nicht politisch erzogen gehörte ich, der Nähe auch immer als Bedrohung empfand, charakterlich zu den wenigen massenuntauglichen Außenseitern. Weitgehend von meinen Instinkten bestimmt, lebte ich nach meinen Wünschen. Ohne mir der Folgen recht bewusst zu sein, unterlief ich die ärgsten Zwänge, wobei Schikanen im Raster meiner individuellen Erfahrungen ihren selbstverständlichen Platz einnahmen.“ oder, anlässlich eines (unerlaubten) Pferderittes, „Ich träumte vom warmen, vollen Geruch, der, ob schweißig oder nicht, vom Tier dem Reiter in die Nase stieg und ein erotisches Band, berstend vor Lebenskraft flocht, ein Band, das bestimmt war, zur Fessel zu werden, stärker als alle später gerochenen Parfüme in den Achseln begehrter Frauen. Es lag da immer eine Urinschärfe darunter, ein Zeichen unerfüllter Begierde.“ geben dem Leser Einblick in die Zuordnungsverhältnisse Förster’schen Denkens, wobei hier zugleich zwei Grundthemen seines späteren Lebens und Schaffens angesprochen werden.

Die streckenweise poetische Sprache des Verfassers, der, neben anderen schriftstellerischen Veröffentlichungen, auch als Lyriker* hervorgetreten ist, gibt dem Buch ein besonderes Gepräge und macht das Lesen desselben zu einem Erlebnis in eigenartiger Teilhabe.

Der auch im äußeren erfreulich gestaltete Band (Festumschlag, Fadenheftung) lassen demselben viele Leserinnen und Leser wünschen, zumal jene, die sich dem großartigen Werk Försters verbunden wissen.

* „Als Fremder“ Gedichte (Berlin 2003, Verlag der Nessing’schen Buchdruckerei)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]

Leseprobe I Buchbestellung 1012 LYRIKwelt © P.A.K.