Schwebebahn.
Performance von A.
J. Weigoni
(2011,
Vordenker.de, mit Frank Michaelis)
Besprechung von Matthias Hagedorn für die REZENSIONENwelt,
12/2011:
Viel wurde in den letzten Jahren über Popliteratur geschrieben.
Ein weithin unbeachteter Aspekt ist dabei, daß maßgebliche Impulse für die
Entstehung einer Popliteratur vom Rheinland ausgingen. Am Anfang standen die
Autoren und Übersetzer Rolf Dieter Brinkmann
und Ralf-Rainer Rygulla, die ab Mitte der 1960er Jahre in Köln lebten und von
hier aus der amerikanischen Beat- und Untergrund-Literatur deutschlandweite
Aufmerksamkeit verschafften.
In Düsseldorf betrieben A. J. Weigoni und Frank Michaelis im Akademie-Umfeld mit
der Literatur eine multimediale Hörspielerei zwischen Performance, Theater und
Lesung. Bereits 1991 legte dieses Duo die zum Schlagwort gewordenen
»Literaturclips« vor. Den Hörbuchpionieren kommt damit das Verdienst zu, die
Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu
haben.
Diese Literaturclips mögen heiße Luft sein, sind aber angereichert mit purem
Sauerstoff. Sauerstoffhappen, eher Häppchen, die den Ohrganismus am Überleben
halten. Das frühzeitige Erkennen, daß in der Kürze der einzelnen Beiträge der
Erfolg zum langen Atem liegt – beim Produzenten vielleicht, beim Zuhörer gewiss
– ist sehr hoch anzurechnen. Mit der Kürze entsteht eine Konzentration auf das
Elementare. Beinahe verschwörerisch rezitiert Weigoni den »Schwebebahn«-Text.
Michaelis bläst ein Saxophon, dessen bewußt blecherne Schwüle leicht eine ganze
New Yorker U–Bahn–Station unterhalten könnte. Wahrscheinlich haben sich die
Artisten deshalb beim Dreh in Wuppertal so heimisch gefühlt.
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