Schönste
Lieder.
Gedichte von Michael
Donhauser (2007, Edition Engeler).
Besprechung von Carsten Zimmermann aus dem titel-magazin,
2007:
Lyrischer Doppelagent
Wie ist es möglich, heute Naturgedichte von einer fast
Eichendorffschen Zärtlichkeit zu schreiben, rühmende, ganz den Erscheinungen
zugewandte, berückte, berückende, eben „schönste Lieder“, und doch
zugleich den Avantgardemaßstäben zu genügen, wie sie die Urs-Engeler-Bücher
gerne für sich beanspruchen?
Michael Donhauser gelingt dies erstaunlich souverän und scheinbar mühelos.
Es sind freilich Prosagedichte, ungereimte oder kaum gereimte, nicht in Versen
gesetzte Vier- bis Sechszeiler, die sich im lyrischen Sprechen über die
einfachen Dinge üben, über den Wind, das Licht, die Blätter, die Wolken und
alle die anderen schönen Lieblingswörter und Lieblingsphänomene des die
Landschaft durchwandernden Romantikers.
Dieses lyrische Sprechen vermeidet indessen behutsam, zum Aussagesatz zu
gerinnen, es geht sanft und in einfachen Worten und nur ein bisschen
sprachspielerisch auf sein Thema zu, um mitten in der Bewegung auf die
typische Donhausersche Manier gebrochen zu werden, nicht mit Gewalt, nicht als
Sprachzertrümmerung, sondern nur leicht „verrückt“ oder ein wenig
kompliziert in ein anderes, ebenso freundliches Satzelement auslaufend.
Dadurch wird die das Sprechen bestimmende Zärtlichkeitsemotion, die manchmal
auch melancholisch ist, kaum unterbrochen, sie darf sein und im Gedicht zur
Sprache kommen, ohne dass die Wirklichkeit, der das Gedicht Ausdruck verleiht,
als so oder so bekannt behauptet wird.
„Lose und leise, es weilte das Leben, es zogen / die Wolken und teilte das
Wehen die Kronen / der Bäume, sie flohen, als flehte wogend und / weithin ein
Neigen, es währte, ich hätte, ich / sagte, und alles war Geben, war lose und
heilte, / leise und wehte.“
[...diese und weitere
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