Schönes Babylon, Gedichte aus Europa, Hrsg. von Gregor Laschen, 1999 DuMontSchönes Babylon.
Gedichte aus Europa, herausgegeben von Gregor Laschen (1999, DuMont).
Besprechung von Theo Breuer im titel-magazin, 1999:

Eine Reihe, die aus der Reihe fällt...

Vor mir liegen 5 Bücher (plus eine "Zugabe") mit außergewöhnlicher Ausstrahlung: Es sind Bücher, die bereits durch ihre ausgesuchte Aufmachung - mit weißem, blauem, rotem, gelbem und grünem Leineneinband, Lesebändchen, im Schuber) sehr gute lyrische Qualität suggerieren. Diese hochwertigen Buchobjekte sind offenbarer Ausdruck eines verlegerischen Selbstbewusstseins, das fest überzeugt zu sein scheint, eine in jeder Hinsicht anspruchsvolle lyrische Idee auf dem Buchmarkt durchsetzen zu können, das im Prospekt ganz bescheiden von "moderner Lyrik internationaler Autoren" verspricht...

Mit Schönes Babylon begeben sich die Leser, geführt von Herausgeber Gregor Laschen, auf eine europäische Begegnungsreise. Neben Museum der modernen Poesie (Hg. H. M. Enzensberger), Luftfracht (Hg. H. Hartung) und Atlas der modernen Poesie steht nun eine weitere (repräsentative) internationale Lyrikanthologie, die mit Gedichten in 12 Sprachen viel, viel Freude bereitet. Der Band bringt eine Auswahl aus den bislang 10 in der edition die horen erschienenen Bänden Poesie unserer Nachbarn. Dass viel Spitzenlyrik dabei ist, ergibt sich automatisch: immer wieder übrigens in verschiedenen Übertragungen, was den Lesespaß durchaus erhöht. Die wunderbare Inger Christensen führt die dänische als erste Riege an, gefolgt von der ungarischen, spanischen, isländischen, niederländischen, bulgarischen, italienischen, französischen, norwegischen und irischen. Ich finde es immer wieder bereichernd, mich in bislang unbekannten lyrischen Gefilden ergehen zu dürfen, denn was wissen wir schon, um nur ein Beispiel zu nennen, von der Lyrik unserer niederländischen Nachbarn? Ein wunderschönes, in rostrotes Leinen gehülltes Buch mit einer Fülle großartiger Gedichte - ein wertvoller Baustein für die lyrische Bibliothek...

Iwan Malinowski (DK): 

Kritik des Schmerzes

Laß den Schnaps stehen, er brennt kurz

Und betäubt. Meide den Apotheker!

Mißtraue den Verbesserungen, die das Unerträgliche

Mildern! Dein wirklicher Freund

Ist der Schmerz, Alarmglocke,

Lebensnötig.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.titel-magazin.de]

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