Schön&Gut von Christian Futscher, 2005, Droschl1.) - 2.)

Schön & gut.
Buch von Christian Futscher (2005, Droschl).
Besprechung von Markus Köhle, März 2005:

Nein, bloß kein auf das Buch bezogenes "Schön & gut"-Wortspiel. Ja, besser ganz gewöhnlich beginnen. Zum Beispiel einfach drauflos plaudern, eröffnen, dass man gestern das neue Buch von diesem seit Jahren brav verrückten Wiener Vorarlberger Schriftstellerheurigenkellner gelesen, ja es gar in einem Zug verschlungen habe. Genau, von dem mit den bellenden Möpsen, der erzählenden Adler und dem, äh Nidri oder so. Am besten einfach locker wiedergeben, was so hängen blieb von der Lektüre, eventuell Kernaussagen herausfiltern und ein paar Beispiele anführen, das sollte reichen. Dabei möglichst willkürlich und bewusst subjektiv vorgehen, das macht's persönlich und dadurch insgesamt unantastbarer.

So sei denn losgesprudelt: Der sympathische Ich-Erzähler stellt regionale Varianten für amüsant direkte Sexualaktaufforderungen vor, er gibt preis, dass Lyriklektüre bereits bei einer Trefferquote von 2 aus 200 lohnt und wie erfüllte Nachmittage zu zweit für ihn ausschauen bzw. ausschauten: Rauchen, Trinken, Sitzen, dann und wann das Fenster öffnen und glücklich sein. Freilich, da schwingt Wehmut mit, denn das Ich ist vom Beruf Blödgeschichtenerzähler, ist in dieser Funktion immer im Dienst und außerdem mittlerweile aktiv erziehender Vater, der vom alltäglichen Kleinkinderscheiß, von den Höhen und Tiefen des Kleinfamiliendaseins, immer mal wieder die Nase voll hat. Das Ich glaubt zu wissen, dass es durch die Stammwirtenabstinenz absolut nichts versäumt, hat aber doch damit zu kämpfen. Kleinere Probleme stellen da der Zwist zwischen Hygiene- und Sexualaktivität, die Frage warum Pinguine neuerdings vermehrt ins Kloster gehen und eines Vaters Sohnzukunftsvisionen dar.

Nein, das ist bei weitem nicht alles. In diesem mit "Diverse Vorhaben" untertiteltem Buch steckt noch allerhand. "Schön & gut" ist randvoll mit vielen kurzen, pointierten, zumeist sehr lustigen Texten. Witz klingt so abschätzig, also seien die Dinger ausgefeilte Prosaminiaturen mit lyrischen Einsprengseln genannt und diverse andere in Sinn und Form gebrachte Verschriftlichungen kommen auch nicht zu knapp vor, die da u. a. wären: Grabstein-, Fahrplan-, Ansichtskarenabschriften, Kürzestdramen, fixe Ideen in Listenform, etc., etc.

Die Vorzüge von konsequent praktizierter Zivilcourage (im Bus und der Tod folgt auf den Fuß) und penetranter Höflichkeit (im Umgang mit einsamen Menschen mit Hund) werden anschaulich vorgeführt und mögen Parabeltauglichkeit haben. Selbstkritische Schüttelprosabratsequenzen im Lokal "ich weiß, dass es am Westen bär', den Hund zu malten.", erheitern schlicht und ergreifend und die Provinztristess und Landbrutalität am Beispiel Poldi Platt aus Glötsch, erschüttern im selben Maße.

Die  Freundschaftsfreudenschüsse im Morgengrauen mit Polizist Markus rühren, die präsentierte nüchtern moralische Abschwächung für das sich-Betrinken: sich schwächen, trifft. Und überall schlägt die Literatur durch, da wird eine Buchstadt herbei gesehnt, sind die 
Gastwirtschaftsepisoden vollgefüllt mit hochgradig Literarischem, Zitate geben den Ton an und Buchtitel das Motto vor. Und dann noch so viele gute Vorhaben und so viele schöne Ausreden (ojeh, jetzt ist es doch passiert!)

Es bleibt die Selbsterkenntnis am Schluss: "immer wenn ich / halblustig bin / weiß ich / dass ich aufhören sollte"
Futscher beherrscht die hohe Kunst der guten (dieses Wort ist an dieser Stelle nicht zu ersetzen!) Unterhaltung und platt, oberflächlich bzw. tief im Sinne von grindig ist da gar nichts.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.autohr.at]

Leseprobe I Buchbestellung 0305 LYRIKwelt © Markus Köhle

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Schön&Gut von Christian Futscher, 2005, Droschl2.)

Schön & gut.
Buch von Christian Futscher (2005, Droschl).
Besprechung von G. St. in Neue Zürcher Zeitung vom 16.04.2005:

Ins Blaue geschrieben

Christian Futscher ist sicher ein amüsanter Gesprächspartner, bewandert in der österreichischen Kunst des Schmähführens und voll spleeniger Ideen. Aber was in der Wirtshausatmosphäre sprühen und funkeln mag, wirkt zwischen zwei Buchdeckel gepresst reichlich schal. Das neue Buch des 1960 geborenen und in Wien lebenden Autors versammelt Kurzprosa verschiedenster Art, Notizen, Briefe, Entwürfe, Listen und Anekdoten, dazu Gedichtartiges und wahrhaft Lyrisches. Immer wieder beweist der Autor dabei sein Faible für paradoxe Alltagssituationen und groteske Dialoge, sei es auf der Strasse, in der U-Bahn oder in den eigenen vier Wänden. Vieles davon klingt freilich sehr bekannt. Auch was Futscher in den persönlicheren Texten über die Mühen und Freuden des Vaterseins, über das Älterwerden, den Reiz junger Frauen und den Genuss geistiger Getränke zu sagen hat, ist so ähnlich immer wieder in Kolumnen von Stadtmagazinen zu lesen. Futschers Sprachspielereien und Nonsens-Gedichte erinnern deutlich an Ernst Jandl und Robert Gernhardt, ohne je den Witz und die sprachliche Präzision der erklärten Vorbilder zu erreichen. Der Gestus des Halbfertigen, mit dem viele Texte auftreten, ihre Lakonik und Selbstironie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass vieles nur so ins Blaue hinein gedacht und geschrieben ist, sympathisch zwar und ganz nett, aber eigentlich auch ziemlich beliebig.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter nzzonline.jpg (1303 Byte)]

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