Schattensprung von Alexandra Lavizzari, 2005, FriedmannSchattensprung.
Gedichte von Alexandra Lavizzari (2005, Verlag Friedmann).
Besprechung von sib in Neue Zürcher Zeitung vom 5.03.2005:

Lyrische Transzendenz

Es wird sie wohl immer geben: die Erlebnis- und Gefühlslyrik, die von Abschied und Ankunft, Ein- und Zweisamkeit, Intensität und Verlust kündet - getragen von einem lyrischen Ich, sonor, empfindsam und seiner selbst gewiss. Ganz in diesem Sinne schickt die Schriftstellerin und Publizistin Alexandra Lavizzari in ihrem zweiten Gedichtband, «Schattensprung», ihr lyrisches Ich nicht nur geographisch in verschiedene Himmelsrichtungen, sondern forscht fühlend und horchend am sprechenden Selbst. Knapp 60 Gedichte entstehen dabei, allesamt in freien Rhythmen gehalten, thematisch wie formal der nachromantischen Tradition verpflichtet. Immer wieder überrascht dabei der ungebrochen sehnsüchtige Ton, mit dem die Autorin auf Erkundung geht, um in der Natur Bilder und Symbole für die allzumenschliche Existenz zu finden. Auch wenn in «Schattensprung» die drei Kapitel, in welche die Texte geordnet sind, ohne Zwischentitel bleiben, so zeigt die Abfolge dennoch: Dem Zeilenfluss entlang ist die Lyrikerin unterwegs in immer tiefere Schichten der menschlichen Erfahrung - geleitet von dem Vertrauen, dass hinter den Wörtern eine andere Welt mit Sprache greifbar wird.

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