Schatten der Nacht von Jenny Canales, 2014, HöchlerbachSchatten der Nacht.
Gedichte von Jenny Canales (
2014, Höchlerbach im Angst&Schrecken Verlag).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt.de, Juli 2014:

Ich bin wach/ und spüre die Sehnsucht des Mondes
Die Gedichte von Jenny Canales, dem Resümee eines Dichterlebens ähnlich, unter dem Titel „Schatten der Nacht“ in einem sorgfältig editierten Band vereint und veröffentlicht, sind engagiert, manchmal ungehalten, manchmal scheu, schnörkellos, klar wie Quellwasser, lebenserfahren und zweifellos voller Gefühl.

Wer ist diese leidenschaftliche Frau, deren Gedichte vornehmlich in Spanisch verfasst und ins Deutsche übersetzt werden, die in der Jugend den brillanten Traum entwickelt, später einmal Dichterin und Sängerin zu werden?

Jenny Canales, in Chile geboren, dort und in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgewachsen, musste der prekären politischen Umstände wegen ihr Heimatland verlassen und emigrierte 1974 nach Deutschland. Ihrem hohen Gut, der Kultur, ist sie bis heute treu geblieben. Ihre kleine Galerie „Kunst in der City“ in Gelsenkirchen, hat sie zu einem Ort gemacht, in dem neben Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen auch Lesungen und andere kulturelle Veranstaltungen stattfinden und dank ihrer Hilfe initiiert werden. Dabei wird sie von Idealismus und Durchhaltevermögen getragen, Tugenden, die auch in dem breit gefächerten Repertoire ihrer Gedichte ihren Niederschlag gefunden haben und finden.

Während der fortschreitenden Lektüre des Buches von 210 Seiten, ein Lebenswerk, wie ich meine, verwandelten sich die Gedichte zu Tage- und Jahresbüchern, gesammelte Beobachtungen, Erinnerungen und Gefühle aus allen Lebenslagen, die bei aller Lebensfreude oft ein Hauch von Verzweiflung und Melancholie durchweht, womöglich in der Person der Autorin verankert als Reaktion ihrer Erfahrungen als Mensch und Frau, als Reisende und Vertriebene, als Grenzgängerin und oft enttäuscht als bedingungslos Liebende voller Trauer, Ratlosigkeit und Angst.

Liebe ist das große Thema ihrer Gedichte, Liebe, scheint mir ist ihr Lebensthema in allen unmöglichen, möglichen Facetten, vom Schwelgen und Werben, vom Wünschen und Träumen, vom Scheitern und Erinnern, vom Seufzen vor Glück, vom Verlust durch Tod oder mutwilligem Verlassen werden.

„Wann werde ich Dich/ je vergessen?“, fragt sie oder stellt fest: „Deine Liebe/ das ist alles, was ich habe. // Es ist fast nichts/ oder doch fast alles“.

Diese menschenfreundliche Autorin, die schreibt und malt, freut sich während eines „Jahresrückblick(s)“ auf das nächste Jahr: „Künstler, Besucher werde ich gerne  begrüßen und sie werden mir das Leben versüßen.“ Sie steht ihre Frau, wie sie die Rolle aller Frauen hinterfragt, ebenso wie die der Männer, um lakonisch festzuhalten:

„Wir Frauen sind/ für Männer ein Rätsel!!“

Jenny Canales umkreist die Welt, durchforscht Kosmos und Universum und die Parallelwelt ihrer Träume. Auf einen Mann bezogen schreibt sie: „Die Träume sagen ihm nichts/ über seine Zukunft, /sondern zeigen ihm, womit er sich im Moment beschäftigt.“

Rück- und vorwärts blickend durchstreift sie die Jahreszeiten ihres Lebens von der Kindheit bis ins Alter, dem Jetztpunkt. „Alleinsein ohne Mangel“, wünscht sie sich, beobachtet: „Sie kann die Welt nur böse ansehen/ aber sie braucht jeden Menschen.“

Sie polemisiert: „Dem Zitronenfalter ist es egal, // welche Nationalität oder Philosophie/ der Spaziergänger hat.“

Oder stellt mitfühlend fest: „Du möchtest Dein Leben anhalten, / Deine eigene Odyssee schreiben.“

„Du solltest Mensch bleiben“, fordert sie oder schlägt vor sich in ihr Reich, das der Poesie, zurückzuziehen: „Gib mir Deine Hand, / nimm meine Hand/ ich schütze Dich/ in meiner Welt.“ Sie wünscht den Liebenden: „Ich wünsche Euch Zeit/ nach den Sternen zu greifen.“ Aber gibt zu bedenken: „Denke daran, / zu jedem Glück gehört ein Stückchen/ Unglück.“

Viele ihrer prägnanten Verse gestalten sich zu Lebensweisheiten, Merksprüchen ähnlich, die sich, herzlich und gut gemeint, einprägen sollen, wie die Zeilen, die sie ihrer Schwester gewidmet hat: „Ich wünsche Dir Glück und Frieden; / Du solltest niemals Angst haben.“

Die Gedichte von Jenny Canales berühren durch ihre Aufrichtigkeit und Authentizität. Sie sind auf ganz eigene Art poetisch und ehrlich. Wir sollten sie beherzigen: „Das Leben nur ein Augenblick, / Liebe unter blauem Himmel.“

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

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