Schande von J.M.Coetzee, 2000 S.FischerSchande.
Roman von J.M.Coetzee (2000, S. Fischer).
Besprechung von Marko Martin aus Die Welt vom 26.2.2000:

Fremdheit ist überall
J. M. Coetzees "Schande" erzählt eine verstörende Geschichte aus Südafrika

Sie heißen Moses Herzog, Humboldt Fleisher oder Mickey Sabbath und bevölkern die Romane eines Saul Bellow oder Philip Roth: Intellektuelle und Halbintellektuelle, auf jeden Fall typische Campus-Gestalten, lethargisch oder hyperaktiv, hin und her gerissen zwischen metaphysischem Wissensdurst und den sexuellen Bedürfnissen ihrer (rasant alternden) Körper. Auf den ersten Blick scheint auch der Kapstadter Literaturprofessor David Lurie - Protagonist von J. M. Coetzees mit dem Booker Prize ausgezeichnetem Roman "Schande" - in diese Reihe zu gehören. Ein zweimal geschiedener Mann Mitte fünfzig, der von sich glaubt, "das Sexproblem recht gut im Griff" zu haben.

Lustlos-routinierte Lehrtätigkeit vor ahnungslosen Studenten -Seminare über Dichter der Romantik, über "Kommunikations-techniken für Fortgeschrittene" - sowie jeden Donnerstagnachmittag der sterile Beischlaf bei einer indischstämmigen Prostituierten: "Sein Leben spielt sich im Rahmen seines Einkommens, seines Temperaments, seiner emotionalen Möglichkeiten ab. Ob er glücklich ist? Nach den meisten Wertmaßstäben, ja, er glaubt es jedenfalls. Doch er hat den Schlußchor des ‚Ödipus' nicht vergessen: ,Darum preis ich niemals glücklich eines Sterblichen Geschick, Eh' den letzten seiner Tage er gesehn hat'."... Fortsetzung

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