Sansibar
Blues oder Wie ich Livingstone fand.
Roman von Hans-Christoph Buch (2008,
Eichborn).
Besprechung von Jens Dirksen aus der
NRZ vom
8.12.2008:
Sansibar oder die traurigen Tropen
Hans-Christoph Buch, der Reportagen aus der Karibik und
aus Afrika schreiben kann wie sonst keiner, hat einen Sansibar-Roman
geschrieben, der ziemlich weit auseinander liegende Ecken der deutschen
Geschichte zusammenbringt: Mit einem Bein in der Gegenwart, landet Buch mit
seinen weit ausgreifenden Erzählschritten zurück bei Sklavenhändlern wie dem
berüchtigten Tippu Tipp, der Livingstone und andere durch Afrika führte. Vor
allem geht es aber zurück zum deutschen Konsul Brode und der Tochter des Sultans
von Sansibar, die von einem Hamburger Kaufmann nach Deutschland entführt und als
baldige Witwe dort im Berlin des deutschen Kaiserreichs als Exotin bestaunt und
von Bismarck als Faustpfand benutzt wurde – bis dessen Nachfolger Caprivi die
Insel Sansibar an England abtrat, um dafür Helgoland in der Nordsee
einzutauschen.
Durchkreuzt werden diese historischen Reminsizenzen immer wieder vom nächsten
Engangement deutscher Politik in Sansibar, der Beförderung der Revolution von
1964 dort, die mit Unterstützung aus der DDR ins Rollen gekommen sein soll und
in ein rassistisches Massaker mündete. Jedenfalls war Sansibar der erste
afrikanische Staat, der die DDR anerkannte, und Buch lässt einem alten
Stasi-Mann die Erinnerungen heraufdämmern.
Es ist ein trauriger Roman über das traurige Schicksal einer Insel, eines
Kontinents, einer Weltsphäre, die unter dem Kolonialismus von heute noch mehr zu
leiden hat als unter dem, der einem ganzen Zeitalter den Namen gab. Nicht von
ungefähr fragen Afrikaner in den einstigen deutschen Kolonien, wenn die
Deutschen endlich wiederkommen. ((NRZ)
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
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