Sänger im Bad.
Gedichte von Gerhard Ruiss,
(2001).
Besprechung von W.P. aus Profil, Wien, 2001:

Bademeister

Gedichte. Herbert Achternbusch hat einmal gesagt, dass er so lange in Bayern bleiben werde, bis man es diesem Landstrich ansehe. Bei Gerhard Ruiss dürfte es sich ähnlich verhalten: Nicht nur dass Ruiss, 50, seit 1982 als umtriebiger Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren die hiesige Literaturlandschaft aktiv mitgestaltet, auch in seinen schriftstellerischen Werken (wie im Gedichtband "Indikationen", 2000) dreht sich das Gros der Beiträge um aktuelle Gesellschaftsbilder, um den (schwarz-blau mutierten) Themenkreis Land und Leute. Weitaus privater hingegen ist "Sänger im Bad": Schnell hingeworfene Zeilen wie in dem Gedicht "lebenslanges lernen" ("die / erste lebenshälfte / lernen / die zweite / nachsitzen") wechseln sich ab mit Aphoristik à la Lichtenberg, Dialekt- und Lautgedichten und deftiger, witziger "Alltagslyrik" wie in "sänger am klo": "klopapier / wie fehlst du mir / wie fehlst du mir". Einmal ein Gedichtband, der logisch-zwingend eine breitere Leserschaft findet müsste, was "Sänger im Bad" zu wünschen wäre. Denn: Wer schmettert keine Lieder im Badezimmer?

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