Sämtliche
unfrisierte Gedanken.
Prosa und Gedichte von Stanislaw
Jerzy Lec (2007, Sanssouci
- Übertragung Karl
Dedecius).
Besprechung von Jens Dirksen aus der
NRZ vom
18.12.2007:
Lec für die Tasche
Sparsam mit Worten ist ein Dichter, der nur die
eigenen benutzt. Deshalb reichen bei Stanislaw Jerzy Lec immer schon ein, zwei Sätze
für einen genialen Gedanken aus. Er selber nannte sie unfrisiert, aber man kann
getrost ein gutes Haar an ihnen lassen. Es gibt den reinen Witz ("Vergessen
wir nicht, dass auch uns die Bakterien - von der anderen Seite des Mikroskops -
betrachten!") und die Weisheit: "Wahre Satire verletzt nicht - sie tötet."
Wahr ist indes auch: "Es gibt kein Moralgelaber / ohne 'aber'".
Sätze wie diese sollte man selbstverständlich fein dosiert zu sich nehmen, ein
dicker Sammelband wie "Sämtliche unfrisierte Gedanken" wirkt da schon
fast überproportioniert. Aber da spielt dann das Buch seinen Vorteil aus - man
kann es jederzeit und allerorten aus der Hand legen, um es immer dann wieder
aufzuschlagen, wenn das Tagesdunkel von einem Geistesblitz erhellt werden soll.
Nachschlagen wird darin jedenfalls jeder, der einen pfiffigen, frechen Widmungsspruch sucht. Es soll auch schon Leute gegeben habe, die darin ein Lebensmotto gefunden haben. (JD/NRZ)
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0108 LYRIKwelt © Neue Ruhr/Rhein Zeitung